Dienstag, 24. Oktober 2017

Letztes Update 22.03.2016 22:37

RSS
You are here: Archiv Nachrichten Luzern Vemma – Ein Energiegetränk mit umstrittenen Vertriebsmethoden erobert die Schweiz

Vemma – Ein Energiegetränk mit umstrittenen Vertriebsmethoden erobert die Schweiz

E-Mail Drucken PDF

Was bewegt rund vierhundert Jugendliche dazu, an einem sonnigen Donnerstagabend eine langweilige Marketingveranstaltung für ein Nahrungsergänzungsgetränk zu besuchen?

Info8.ch hat diese Frage aufgegriffen und ist dabei auf ein Vertriebsnetz gestossen, welches auf umstrittenen Prinzipien von Multi Level Marketing basiert. Experten attestieren diesem Marketingkonzept eine Nähe zu den verbotenen Schneeballsystemen.

Wer oder was ist Vemma?
Bei Vemma Nutrtion Company, wie sich die Firma ausgeschrieben nennt handelt es sich um ein Unternehmen, welches seit 2004 aus dem US-Amerikanischen Bundesstaat Arizona seine Produkte vertreibt. Bei diesen Produkten handelt es sich hauptsächlich um Ernärungsergänzungsgetränke, deren Wirkung mehr oder weniger unbestätigt ist. Im Gegensatz zu anderen kommerziellen Herstellern von solchen Produkten setzt Vemma nicht auf ein Vertriebsnetz im klassischen Sinne, sondern auf den so genannten Direktvertrieb. Dies führt dazu, dass das Produkt in keinem Laden, in keinem Internetversand erworben werden kann. Der Erwerb kann einzig und alleine über einen so genannten Vemma Brand Partner erfolgen, der bereits im Vemma Netzwerk integriert ist. Das Vemma Netz selbst ist hierarchisch aufgebaut. Je mehr Kunden ein Brand Partner zum aktiven Kauf von Vemma Produkten bewegen kann, desto weiter steigt er in der Hierarchie auf. Dabei werden für die verschiedene Stufen wohlklingende Namen wie Executive oder Presidential verwendet. Je nach Sorte kostet eine Dose Vemma zwischen 3 und 4CHF.

Die meisten Leute die Vemma kennen, werden über einen persönlichen Kontakt – seien dies Freunde, Arbeitskollegen oder auch Familienmitglieder - auf dieses Produkt aufmerksam geworden sein. Das Prinzip von Vemma sieht vor, dass jeder Brand Partner durch Mund zu Mund Propaganda – so genanntes Affiliate Marketing – weitere Käufer aus seinem direkten Umfeld anwirbt.

Der Anlass
Sporadisch sind die Lokalorganisationen dazu angehalten in so genannten Conventions das Konzept von Vemma auch weiteren Interessenten zu erläutern. Ein solcher Event fand letztmals am 10. April in der Viscose Bar in Emmenbrücke statt. Eingeladen wurden alle so genannten Affiliates mit dem üblichen Hinweis, interessierte Gäste mitzubringen. Als Star des Abends wurde der Royal Ambssador Happy Hartmann angepriesen. Genauere Details über den Ablauf oder das Programm des Abends waren der Einladung nicht zu entnehmen.

Mit diesen Informationen versorgt, trafen ab 19:00Uhr  vorwiegend männliche, junge Interessenten beim Veranstaltungsort ein. Unübersehbar direkt vor dem Eingang waren zwei neue, weisse Mercedes parkiert. Da der Eventbeginn auf die 19:30Uhr angesetzt war, blieb den Teilnehmern genügend Zeit, sich mit anderen Affiliiertes auszutauschen und über Gott und Vemma zu diskutieren.

Hierbei besonders aufgefallen ist ein Grüppchen von sehr gut angezogenen jungen Herren, die um einen älteren – ebenfalls sehr gut gekleideten - Herrn in einer Ecke standen, und sehr angeregt diskutierten.  Wie sich später herausstellte handelte es sich bei diesem Grüppchen junger Leute um die späteren Referenten, die vor dem Anlass die letzten Befehle ihres Vorgesetzten erhalten haben. So schärfte er beispielsweise einem ca. 20jährigen Anzugträger ein, er solle während seiner Rede erwähnen dass sein Grossvater extra um ihn zu hören an den Anlass gekommen sei. Einem weiteren Organisatoren erklärte er, dass er ihn dann während des Anlasses spontan fragen werde, wie viele Tickets für den nächsten Anlass bereits verkauft seien, worauf er antworten solle, dass bereits über hundert Tickets bereits weg seien.

Als der Uhrzeiger auf 19:30Uhr voranschritt, bewegten sich die Interessenten Richtung Saaleingang zu. Als Besonderheit hatten hier die bereits angefixten Affiliates einen Eintrittsbeitrag von 10CHF zu entrichten, während deren Gäste kostenlos am Anlass teilnehmen durften. Im Innern des Saales wurde bereits vor dem Anlass versucht die Stimmung mit animierender Musik zu heben. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Werbefilm von Vemma gezeigt, der aber nicht etwa das Ziel hatte, die vermeintlich positiven  Eigenschaften von Vemma hervorzuheben, sondern darauf fokussierte, die gesteigerten finanziellen Möglichkeiten hervorzuheben, die entstehen, wenn man sich entschiedet als Vemma Brand Partner einzusteigen.

Im Anschluss daran folgten Vorträge von unterschiedlichen Sprechern, welche alle ebenfalls auf die verschiedenen Vorteile und Verdienstmöglichkeiten eingingen, die erfolgen, wenn man sich dafür entscheidet Vemma Vertriebspartner zu werden. Als besonders positives Beispiel, dass man mit Vemma zu finanziellem Reichtum gelangen könne, wurde die Geschichte eines neunzehnjährigen Metallbauschlosser Lehrlings herangezogen. Mit eindrücklichen rhetorischen und psychologisch- manipulativen Fähigkeiten erzählte der Heranwachsende, dass er erst seit neun Monaten bei Vemma als Brand Partner dabei sei und sich inzwischen dermassen hochgearbeitet habe, dass er nun von Vemma als Prämie den am Eingang stehenden Mercedes erhalten habe. Während seinen Erzählungen wird das Publikum immer wieder dazu aufgerufen, frenetisch zu applaudieren, was es dank einigen Animateuren im Publikum auch fleissig tut.

Ein weiterer, sehr junger Sprecher, der offenbar extra aus Österreich angereist ist, erzählt dem Publikum vom Vemma Aufbau in Österreich, und unterstreicht, dass sein angeworbenes Netzwerk inzwischen um die 140 Brand Partner umfasst, wobei er von jedem deren Verkäufe ebenfalls profitiere.

Allen Vortägen gemeinsam war die Tatsache, dass der ganze Abend nie in irgendeiner Form über das Produkt selbst gesprochen wurde. Auch die Frage, wie das Getränk erwerben werden könne, oder wie konkret das Geschäftsmodell von Vemma aussieht und wie gross die Beteiligungen sind wurde in keiner Form geklärt.

Als letzter Vortrag und angekündigtes Highlight betrat Happy Hartmann die Bühne. Er vermochte von der bereits sehr gelockerten Stimmung im Saal zu profitieren, und schärfte den Besuchern nochmals ein, dass sie hier an diesem Abend die einmalige Gelegenheit hätten, das Geschäft ihres Lebens zu machen. Mit der Parole „jetzt oder nie“ versuchte er die vermeintlich letzten noch Unentschlossenen dazu zu bewegen einen kostenpflichtigen 1-2-3 Vortrag zu buchen, der ihnen einen weiteren Einblick in das Vemma Marketingkonzept bringen sollte. An dieser Stelle durfte natürlich auch die vorhin einstudierte Einlage des Mitarbeiters nicht fehlen, der dem Publikum brav erzählte, dass an diesem Anlass bereits über hundert Plätze ausgebucht seien.

Handelt es sich bei Vemma um ein Schneeballsystem?

Um diese Frage abschliessend zu klären, muss zuerst geklärt werden was unter einem Schneeballprinzip verstanden wird. Der allgemeinen Lehre folgend, basiert ein Schneeballprinzip auf einem Verkaufskonzept welches zwingend auf eine ständig wachsende Anzahl Teilnehmern angewiesen ist um zu bestehen. In einem Schneeballsystem entsteht per Definition für die bestehenden Teilnehmer nur Gewinn dadurch, dass neue Mitglieder angeworben werden welche ihrerseits wiederum Geld in das System stecken.

Vemma beschreibt ihr Vertriebssystem als Multi-Level-Marketing. Selbst Experten tun sich schwer in der Abgrenzung zwischen legalem Multi-Level-Marketing und illegalen Schneeballsystemen. Als Kernfrage zur Abgrenzung wird oft hinzugezogen, ob der Kunde das Produkt auch erwerben würde, wenn er selbst keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhielte.

Aufgrund der Tatsache, dass beispielsweise bei der am 10. April durchgeführten Veranstaltung kein Wort über das Produkt selbst verloren wurde, ist davon auszugehen, dass zumindest bei den Leuten, die in der Schweiz für den Vertrieb von Vemma hauptverantwortlich sind, der Vorwurf eines Schneeballsystems zumindest in Erwägung gezogen werden könnte. Erschwerend dazu kommt, dass der Hauptverantwortliche für Vemma Schweiz, Hans Jörg „Happy“ Hartmann bereits in der Vergangenheit dafür bekannt war, umstrittene Geschäftsmodelle mit angeblichen Heilsäften zu betreiben. So berichtete der Blick bereits im Jahre 2001 mit der Schlagzeile „Mio-Geschäft mit Scharlatan-Saft“  über die Machenschaften des selbsternannten Managers. Auch damals hat sich Hartmann auf eine ähnliche Weise ein Vertriebsnetz aufgebaut. Gemäss 20min.ch wurde Hartmann in diesem Zusammenhang im Jahre 2002 wegen Verstoss gegen das Lotteriegesetzes bestraft.


Alles für d’Füchs – Einweihung des ersten Wildwechsels der Stadt Luzern

Alles für d’Füchs – Einweihung des ersten Wildwechsels der Stadt Luzern

Am Samstag, 7. Dezember 2013, weihte der Verein Kulturschaffende Littau beim Bodenhof 4 im Ortsteil Littau den „ersten Wildwechsel der Stadt Luzern“ ein. Dabei wurde symbolisch die fü...
Weiterlesen...
Neues Album von Kilez More: Rapvolution

Neues Album von Kilez More: Rapvolution

Das lange Warten hat bald ein Ende: Am Freitag, 28. Juni 2013, erblickt das neue Album des Österreichischen Info-Rappers Kilez More das Licht der Welt. „Rapvolution“ soll die Menschen zum Mi... Weiterlesen...


Jolla, das mobile Betriebssystem um der NSA zu entgehen?

Jolla, das mobile Betriebssystem um der NSA zu entgehen?

Seitdem bekannt ist, dass die NSA mehr oder weniger den kompletten Datenverkehr jedes einzelnen Bürgers überwachen kann, wurden auf den verschiedensten Ebenen Massnahmen und Möglichkeiten entwickelt, ...

Weiterlesen...
Threema wird nicht OpenSource

Threema wird nicht OpenSource

Der Artikel „Schluss mit Mythen rund um Threema“ hat ein unerwartet grosses Echo hervorgerufen. So wurden im Anschluss an diesen Artikel auf unterschiedlichsten Kanälen kontroverse Diskussionen geführ...

Weiterlesen...
powered by withweb