Wer sich über regionale Geschehnisse informieren will, liest in der Zentralschweiz die „Neue Luzerner Zeitung“. Die Monopol-Zeitung, die zur NZZ-Mediengruppe gehört, hat seit neuestem auch einen neuen Internet-Auftritt. Spätestens jetzt zeigt sich, wo Identitätsverlust beginnt.
Der Name „Zisch“ hat in der Zentralschweiz einen weitverbreiteten Erkennungswert. Viele wussten, dass damit die Online-Ausgabe der „Neuen Luzerner Zeitung“ gemeint war. Laut Robert Bachmann, Leiter der Online-Redaktion der Luzerner Zeitung, wurde der „Kunstbegriff Zisch“ vor 10 Jahren geschaffen, als man mit Partnern aus Gewerbe, Tourismus, öffententlichem Verkehr etc. ein umfassendes Zentralschweizer Internetportal auf die Beine stellen wollte. Für das breit abgestützte Online-Produkt habe man absichtlich einen neutralen Namen gewählt. Der Portal-Gedanke mit verschiedenen Partnern setzte sich jedoch im Laufe der Jahre nie richtig durch. Aus diesem Grund entschieden die Verantwortlichen, den Absender der Website in den Vordergrund zu rücken. Das sind die LZ Medien mit ihrem Zugpferd „Neue Luzerner Zeitung“,
Eigenes Luzerner Online-Portal zischt ab
Vom alten „Partnerschaftsdenken“ abgekommen, ist nun eine klare Regie erkenntlich. Deshalb auch die Namensänderung auf „luzernerzeitung.ch“. Nicht zu übersehen ist die extreme Ähnlichkeit zur Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung. Das ist dadurch bedingt, dass die LZ Medien als Herausgeber der Neuen Luzerner Zeitung der NZZ-Mediengruppe gehört. Die NZZ beschäftigt seit kurzem einen neuen „Leiter Digitale Medien“, den deutschen Peter Hogenkamp. Eines unter vielen Projekten ist das neue „NZZ-Netz“. Das Netz soll alle Online-Portale der zur NZZ gehörenden Mediengruppen vereinheitlichen. Vergleicht man die Webseiten von NZZ Online, Neue Luzerner Zeitung oder St. Galler Tagblatt sieht man ganz deutlich, dass alles aus der gleichen Küche stammt.
Eine monopolisierte Presse ist niemals ein gutes Zeichen. Darüber lässt sich nicht streiten. Die Frage ist jedoch, inwieweit man eine Vereinheitlichung der Medien dulden will. Fragt man Luzerner auf der Strasse, was sie von einer konkurrenzlosen Medienfirma halten, dann reagieren viele mit Kopfschütteln. Fehlende Konkurrenz macht träge, so zumindest ist es in der freien Wirtschaft. Wer nicht innovativ ist, bleibt meist auf der Strecke.
Gleicher Inhalt – anderes Logo
Nun haben sich die LZ Medien entschlossen, den Plan der NZZ weiterzubringen und unterhalten mit zugerzeitung.ch, nidwaldnerzeitung.ch, obwaldnerzeitung.ch, schwyzerzeitung.ch, urnerzeitung.ch und luzernerzeitung.ch ein und dasselbe Online-Portal mit wechselndem Logo. Das gleiche gilt für die Neue Zürcher Zeitung. Praktisch alle überregionalen und tiefgründigen Artikel erscheinen sowohl auf NZZ Online als auch auf tagblatt.ch und luzernerzeitung.ch.
Die Neue Luzerner Zeitung setzt voll auf die Karte Regionen-Bezug und delegiert freiwillig alle internationalen und tiefgründigen globalen Bezugsnahmen an die Neue Zürcher Zeitung. Das Zentralschweizer Volk scheint demnach gar kein Recht auf eine unabhängige Meinung zum Weltgeschehen zu haben. Die Neue Zürcher Zeitung darf als Monopolmacht die globale Meinung der Zentralschweizer formen. Die LZ Medien haben jedenfalls ein erneutes Armutszeugnis abgegeben, indem sie Inhalte anderer Online-Zeitungen direkt veröffentlicht und somit offen zeigt, dass die eigentlichen Ideengeber in Zürich sitzen. Die Zentralschweiz verliert somit ihre Stimme nach aussen.















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