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Smartvote unter Beschuss

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Seit einigen Jahren steht dem Schweizer Wähler mit Smartvote.ch eine nützliche Onlineplattform zur Verfügung, welche bei Wahlen helfen soll, herauszufinden mit welchen Kandidaten am Meisten Übereinstimmungen erzielt werden. Laut den Betreibern hat das Projekt zum Ziel Transparenz zu schaffen. Bei den anstehenden National- und Ständeratswahlen sorgt Smartvote bei den Parteien jedoch eher für Verwirrung.

Anhand eines wahlweise 32 oder 75 Fragen umfassenden Fragebogens erstellt Smartvote.ch ein Profil, welches alle wichtigen politischen Bereiche abdeckt. Die Software errechnet aufgrund der Antworten einen so genannten Smartspider, welcher die Ausprägungen in einer sternenförmigen Grafik zusammenfasst. Aufgrund der Übereinstimmung der Antworten gibt die Plattform dem Wähler eine unverbindliche Wahlempfehlung für den jeweiligen Kanton ab. Diese Dienstleistung hat Smartvote in Vergangenheit bei verschiedensten kantonalen Wahlen erbracht, und erbringt sie auch für die kommenden National- und Ständeratswahlen vom 23. Oktober. Aufgrund der regionalen und tagesaktuellen Themenpräferenzen haben die Betreiber in Vergangenheit bei unterschiedlichen Wahlen jeweils einige Fragen an die lokalen Gegebenheiten angepasst, wodurch das Smartvoteprofil jedoch nur marginal tangiert wurde.

Durch seine transparente Funktionsweise hat sich Smartvote.ch in den vergangen Jahren zum festen Bestandteil der Schweizer Wahlkultur entwickelt. Kaum ein Politiker kann es sich noch erlauben, auf Smartvote nicht mit einem Profil präsent zu sein. Auch die transparente Finanzierung von smartvote.ch ist der Schweizer Parteienfinanzierung um Meilen voraus. Umso unverständlicher sind die neuesten Anpassungen im Rahmen der bevorstehenden Wahlen:

Verschiedene Leser haben info8.ch auf Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit Smartvote aufmerksam gemacht. Ein Leser beispielsweise hat festgestellt, dass er bei den Kantonsratswahlen im Kanton Luzern vom vergangenen April noch Übereinstimmungsquoten mit einigen Parlamentariern von um die 80% erzielen konnte. Mit denselben Kandidaten konnte im Rahmen der Nationalratswahlen lediglich noch eine Übereinstimmung von 55% erzielt werden. Dafür seien die Übereinstimmungen mit anderen Parlamentariern massiv angestiegen. Eine weitere Leserin hat gemeldet, dass sie trotz beinahe identischem Smartspider mit einem Politiker, diesen lediglich auf Platz 5 ihrer Wahlempfehlung wieder vorgefunden hätte. Auf den Plätzen 1-4 hätten sich Politiker befunden, welche von der Form des Smartspiders überhaupt nicht zu ihr gepasst hätten.

Angetrieben von diesen Meldungen hat sich Info8.ch entschlossen, die Probe aufs Exempel zu machen und smartvote.ch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Als erstes wurde ein Profil identisch ausgefüllt, wie dies ein bestehender Politiker bereits gemacht hat. Dies um zu überprüfen, ob die Übereinstimmung mit diesem Politiker auf 100% zu liegen kommt, was erwartungsgemäss der Fall war. Anschliessend wurde eine der 75 Fragen geändert, so dass sie nicht mehr mit der Antwort des Politikers übereinstimmt. Im Übereinstimmungsbarometer sackte der Politiker nach dieser Änderung um 9% auf 91% Übereinstimmung ab. Noch frappanter ersichtlich werden die Schwächen von Smartvote, wenn ein Profil erstellt wird, in welchem im Fragebogen bewusst immer die gegenteilige Antwort eines Politikers gewählt wird. Erwartungsgemäss sollte nun die Übereinstimmung mit diesem Politiker bei 0% liegen. Hier konnten jedoch trotzdem Resultate von über 12% Übereinstimmung erzielt werden – In Anbetracht der Tatsache, dass eine Frage Abweichung bis zu 9% Übereinstimmung bedeuten kann, eine etwas hohe Zahl. Wie beobachtet werden konnte, hilft dieses vergleichsweise hohe Übereinstimmungsprozent bei nicht-Übereinstimmung vor allem den Mittepolitikern, welche häufig keine klare Antwort sondern „eher Ja“ oder „eher Nein“ gewählt haben.

Simon Bart von Smartvote wurde auf die Unstimmigkeiten mit dem fast identischen Smartspider angesprochen. In seiner Antwort verteidigt er das System: „Da nicht ganz alle Fragen auf dem smartspider abgebildet werden und nicht alle spider-Achsen mit gleich vielen Fragen zusammen hängen, kann es in Einzelfällen zu gewissen Verzerrungen kommen.“ Für die weiteren Differenzen verweist er auf die mathematischen Formeln, welche zur Berechnung der Übereinstimmungen zum Zug kommen. Auf die Frage, ob am Berechnungssystem seit den letzten Wahlen etwas geändert wurde, ist er leider nicht eingegangen.

Wie beim klassischen Links-Rechts Schema handelt es sich auch beim Smartspider um ein politisches Modell. Mit jedem Modell gehen zwangsläufig auch Vereinfachungen zur Realität einher, was wiederum auf Kosten der Genauigkeit geschieht. Gerade weil Smartvote.ch einen so guten Ruf in der Bevölkerung besitzt, erachtet es Info8.ch als seine Pflicht, auch auf die Schwächen des Systems aufmerksam zu machen. Dem Wähler bleibt hingegen nichts anderes übrig, als sich selbst mit den Positionen der Politiker auseinander zu setzen, um dann bei den Nationalratswahlen die richtigen Kräfte nach Bern zu wählen.

 

Siehe auch: Lesebrief von Olivier Kessler: Smartvote - heimliche linke Wahlhilfe?


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