Dienstag, 12. Dezember 2017

Letztes Update 22.03.2016 22:37

You are here: Hintergründe Gastbeiträge Bilderberg 2012 – warum schweigen die Schweizer Medien?

Bilderberg 2012 – warum schweigen die Schweizer Medien?

E-Mail Drucken PDF

Bild: Info8.chVom 31. Mai bis zum 3. Juni findet die diesjährige Bilderberg-Konferenz im Hotel Westfield Marriott in Chantilly, USA statt. Erneut trifft sich das Who is Who des Wirtschafts- und Geldadels der westlichen Welt, um hinter verschlossenen Türen über eine Agenda zu diskutieren, von denen die Normalbürger nichts erfahren dürfen. Seit über 50 Jahren fragen sich kritische Geister, worum es bei den Bilderbergern wirklich geht. Von Transparenz fehlt noch immer jede Spur – dank eines beispiellosen Pakts mit der Medienwelt.
 
Mediale Schweigehülle
Spricht man die Menschen auf der Strasse an, ob ihnen die Bilderberger etwas sagen, erntet man in den meisten Fällen bloss Achselzucken. „Noch nie gehört“, „Bilder – was?“ oder „Ne, ich machte keine Fotos bei meinen Österreich-Ferien“ sind gängige Antworten von Passanten. Wieso sollen Sie auch davon wissen? Die Chefs der grossen Medienhäuser wohnen den Konferenzen ja auch bei und fühlen sich dem von allen Teilnehmern abverlangten Schweigegelübde verpflichtet. Bis vor kurzem wurde teils gar die Existenz dieser Treffen geleugnet. Nicht umsonst sprach Bilderberg-Hintermann David Rockefeller den Mainstream-Medien in seinen Memoiren den verbindlichsten Dank aus:
 
„Wir sind der Washington Post, der New York Times, dem Time Magazine und anderen grossen Publikationen dankbar, deren Chefredakteure an unseren Treffen in der Vergangenheit teilnahmen und die Zusage der Vertraulichkeit fast 40 Jahre lang respektierten.“
 

Doris Leuthard wird an die Bilderberg-Konferenz in St. Moritz mit dem Helikopter eingeflogen (Bild: alles-schallundrauch.blogspot.com).

Auch die Big Player der Schweizer Medienszene sind in die Geheimaktivitäten der Weltelite integriert. Mehrfacher Bilderberger ist Markus Spillmann, Chefredaktor der Neuen 
Zürcher Zeitung, genauso wie sein Vorgänger Hugo Bütler. Die NZZ-Gruppe gehört zu den Top 5 der Schweizer Medienkonzerne. Zu ihr gehören neben den NZZ-Titeln u.a. die Neue Luzerner Zeitung AG und das „St. Galler Tagblatt“. Auch der Verleger Michael Ringier ist ein Bilderberger. Er hat gesicherten Quellen zufolge 1991, 2003 und 2009 an ihren Treffen teilgenommen. Zur Ringier-Gruppe, dem grössten privaten Medienunternehmen der Schweiz, gehören die „Blick“-Titel, „Le Temps“ und Beteiligungen an den „Energy“-Radiosendern sowie unzähligen Klatschblättern in ganz Europa.
 
Zu den Schweizer Teilnehmern der Bilderberg-Konferenz von 2012 gehört erstmals auch der Verwaltungsratspräsident der rapide gewachsenen Tamedia-Gruppe, Pietro Supino. Zum Zürcher Konzern, der 2011 mit der Westschweizer Edipresse fusioniert hat, gehören die bedeutendsten Landesmedien. Darunter „20 Minuten“, der „Tages Anzeiger“, „Das Magazin“, die „Berner Zeitung“ oder „Finanz und Wirtschaft“. Worin besteht für Tamedia der Nutzen in der Teilnahme an der Bilderberg-Konferenz? Diese pikante Frage wird Herrn Supino einer interessierten Öffentlichkeit nach seiner Rückkehr in die Schweiz nicht ausschlagen können.
 
Medien-Durchbruch 2011
Pietro Supino (Bild: ZVG)Als die Bilderberger im Juni 2011 in St. Moritz tagten, berichteten die Schweizer Medien oft erstaunlich offen und verhältnismässig objektiv. Mit Ausnahme der NZZ-Medien, deren Chefredaktor Spillmann am Treffen teilgenommen hatte. Bloss ein Zufall?
Ich hatte damals mein Bestes gegeben, um die Aktivitäten der Bilderberger einem breiten Publikum bekannt zu machen. Das ist uns sicher gelungen. Unsere Info-Veranstaltung „Freie Schweiz wohin? – die Bilderberger und ihr Einfluss“ war vollkommen ausgebucht, wir hatten ein tolles Programm auf die Beine gestellt und die Stimmung war erstklassig. Erstmals haben drei Parlamentarier eines Landes an den Bilderberg-Gegenaktivitäten teilgenommen. Erwähnenswert ist dabei vor allem das Engagement von alt SVP-Nationalrat Dr. Dominique Baettig, der die Bilderberger über Monate mit zahlreichen Aktionen zum öffentlichen Thema machte. Die St. Moritz Resolution, die Info8.ch am 17. Juni 2011 an Bundesrätin Doris Leuthard überreichte, wurde von den Nationalräten Oskar Freysinger, Dominique Baettig, Yvette Estermann und Lukas Reimann unterschrieben.
 
Das Schweigen der Lämmer
Und dieses Jahr? Die Schweizer Medien schweigen die Bilderberg-Konferenz tot. Mit Ausnahme eines unsachlichen, die Bilderberg-Kritiker veräppelnden Elaborats der Aargauer Zeitung liefert das Schweizer Medienarchiv „Swissdox.ch“ zum Stichwort Bilderberg kein Sterbenswort. Auffallend ist dabei vor allem der Boykott der Tamedia-Tochter „20 Minuten“, die sonst von breiten Kreisen für ihre unabhängige Stimme gelobt wird – und über die Bilderberg-Konferenz 2010 und 2011 berichtete. Wieso schweigen die Tamedia-Blätter ein Jahr, nachdem die Bilderberger 2011 hierzulande erstmals grossflächig zum Objekt berechtigten medialen Interesses wurden? Will man den eigenen Chef nicht bloss stellen? Oder was ist der sonstige Grund? Fragen über Fragen.
 
Selbstzensur vs. Pressefreiheit
Die grösste Gefahr für die Pressefreiheit sind nicht plumpe Meinungsdiktate der obersten Chefs, sondern die ängstliche Selbstzensur der Journalisten, die in vorauseilendem Gehorsam ja nirgends anecken wollen. Dabei böte die diesjährige Bilderberg-Konferenz genügend Stoff für jeden neugierigen, unabhängigen und aufgeweckten Journalisten. Markus Spillmann (Bild: unifr.ch)Statt dessen werden Kritiker als „Verschwörungstheoretiker“ oder „obskure Personen“ abgekanzelt. Sie sind es, die an den Pranger gestellt werden und nicht jene, die sich im Verborgenen treffen. Einige Journalisten sind sich nicht einmal zu schade, in offensichtlichen Auftrags-Artikeln über unbequeme Meinungen herzuziehen, wie dies die NZZ am Sonntag im Vorfeld der Konferenz in St. Moritz getan hatte. Das Motto: Kritiker schubladisieren und dämonisieren – „Divide et Impera“! Dass es sich bei den Leuten, die sie von ihren eingemauerten Büros aus per Tastendruck „zerreissen“, meist um Idealisten und einfache Bürger handelt, die ihre Freizeit für ihre Überzeugungen opfern, scheint dabei nicht von Belang zu sein. Es interessieren bloss die fetten Schlagzeilen und ob der Chefredaktor zufrieden ist. Dann wird man vielleicht bei der nächsten Wegrationalisierung verschont werden.
 
Wieso wollen die meisten Journalisten nichts von den Bilderbergern wissen? Klar, wird in der Journalistenausbildung keinen Wert mehr auf Hintergrundwissen und Recherchen 
gelegt. Was zählt, sind Themen wie „Wie mache ich schnelle Schlagzeilen, die möglichst hohe Quoten bringen?“ oder „Wie skandalisiere ich am besten?“. Die Journalisten von heute sind wahrlich nicht zu beneiden. Unter stetigem Druck, den Job zu verlieren, haben sie sich von selbstbewussten, prinzipientreuen Freigeistern (in vielen Fällen) zu duckmäuserischen Auftragsschreiberlingen einer diktieren Systemmeinung gemausert. Junge Journalisten werden unter stetigem Stress gehalten. Sie haben immer weniger Zeit für richtige Recherchen und grundlegende, umfassende Meinungsdiskurse. Sie sind bloss noch „gehetzte Äffchen“ im sich immer schneller drehenden Hamsterrad des Medienzirkus. Unter dem Globalisierungsdruck und dem Strukturwandel im Medienbereich leidet nicht nur die Qualität. Auch die Meinungsvielfalt ist betroffen, wenn die grossen Medienhäuser der puren Konkurrenzverringerung wegen einen kleinen Verlag nach dem anderen schlucken.
 
Die Übergabe der St. Moritz Resolution "Direkte Demokratie braucht Transparenz" in Bern im Juni 2011 (Bild: Info8.ch)Wer vom Mainstream abweicht und sogar einmal Sympathien für „politisch nicht korrekte“ Ideen aufbringt, wird vom „Einheits-Journikuchen“ postwendend verbrämt. Manchmal diskret, manchmal aber auch ganz offen. Es ist häufig nicht mal der Druck von Chefredaktoren, der wache Journalisten davon abbringt, eine heisse, zeitgeist-kritische Story zu bringen. Sondern der redaktionsinterne Gruppendruck, wie es der FDP-Nationalrat und langjährige Journalist Filippo Leutenegger in einem Vortrag zum Thema „Medien und Politik“ aus eigener Erfahrung schildert. Ohne den löblichen Ausnahmen zu nahe treten zu wollen, ist es wahrhaft unglaublich, wie unverfroren einseitig in den Schweizer Medien zuweilen berichtet wird. Am schlimmsten sind jedoch nicht die unsachlichen, verdrehenden Artikel über nicht genehme Personen. Dieses Spiel haben mittlerweile immer mehr Menschen durchschaut. Ja, die Hetzartikel wecken manchmal gar Sympathien für die ausgesuchten Opfer. Fataler ist es, Ereignisse einfach totzuschweigen, als wären sie gar nie passiert. Schliesslich gilt die Medienweisheit: Worüber nicht berichtet wird, das findet in den Augen der Öffentlichkeit nicht statt. Womit wir wieder bei der Bilderberg-Konferenz 2012 in Chantilly bei Washington DC (USA) angelangt wären.
 
Weshalb interessiert sich kein Schweizer Journalist für Fragen wie diese:
 
-        Was wird an der Bilderberg-Konferenz konkret besprochen?
-        Was sind deren Auswirkungen auf die Weltpolitik und die Schweiz im Besonderen im 2012?
-        Wieso die ganze Geheimhaltung und die horrenden Sicherheitsmassnahmen?
-        Wie gross sind die Verstrickungen und Einflusssphären der Bilderberg-Teilnehmer in der globalen Wirtschaft? Warum sollen das die Bürger nicht wissen dürfen?
-        Wieso nehmen sich über 120 der mächtigsten Führer aus der Finanz-, Wirtschafts- und Politelite aus ihrem prallvollen Terminkalender drei Tage für ein privates Treffen frei, das angeblich bloss einen informellen Charakter hat? Als ob sich Banker und Industrieführer, die das ganze Jahr über von Meeting zu Meeting hetzen, ihre raren Freitage ausgerechnet mit einem „überbewerteten Kaffeekränzchen“ verbringen würden…
 
Es ist schon komisch. An einem G8-Gipfel oder dem WEF wird jeder kleine Zipfel medial belichtet, jeden Tag berichtet. Wenn Britney Spears eine neue Frisur, Madonna sich einen jüngeren Freund geangelt oder Paris Hilton ein eigenes Prosecco-Getränk auf den Markt gebracht hat, produziert das massenweise Schlagzeilen. Geht Nicolas Sarkozy für einmal joggen oder zeigt sich Michelle Hunziker ungeschminkt auf einer Privatyacht an der Côte d‘Azur, sind ihnen die Blitzlichter der Paparazzi sicher. Bei der Dichte an prominenten Teilnehmern müssten die Bilderberg-Treffen ja ein Schmaus für jeden Journalisten und Fotografen sein. Die Treffen böten Stoff für seitenlange Reportagen, Interviews, Konfrontationen, Schnappschüsse an den Tagungsorten, und, und, und. Doch es herrscht gähnende Leere im hiesigen Blätterwald.
 
Die Bedeutung der Bilderberger
Foto des 1. Bilderberg-Treffens 1954 in Osterbeek NL (Bild: bilderberg.org)
Die Ursprünge und die Tätigkeiten der Bilderberg-Gruppe sind trotz eines jahrzehntelangen Medienboykotts relativ gut dokumentiert. Erfreulicherweise wurden unabhängige Journalisten wie Jim Tucker oder Daniel Estulin immer wieder mit Insider-Informationen versorgt. Es gibt zum Glück Leute, welche über die Bilderberger viel ausführlicher recherchiert haben, als ich das je konnte. Deshalb will ich hier nicht die ganze Entstehungsgeschichte wiederholen, sondern auf quellensichere, seriöse Vorarbeiten anderer verweisen. Wie z.B. auf Charlie Skelton vom linksliberalen britischen „The Guardian“, der seit Jahren sehr kompetent über die Bilderberger berichtet. Aber auch einige Schweizer Medien berichteten 1995, als die Konferenz auf dem Bürgenstock stattfand, recht tiefgehend. Übrigens: Die Entstehungsgeschichte der Bilderberger, wie sie Enthüllungsjournalisten faktenbasiert niedergeschrieben hatten, wird so auch in den Mainstream-Medien wiedergegeben. So z.B. auf „Diepresse.com“ im „Echo der Zeit auf Radio DRS“ oder in „10vor10 im Schweizer Fernsehen“.
 
Dass Berichterstattung auch anders geht, beweist der TV-Sender „Russia Today“, der rund um die Uhr über die Bilderberg-Konferenz 2012 berichtet. Im deutschsprachigen Raum übernimmt der Blog „Alles Schall und Rauch“ die journalistische Vorreiterrolle, sodass Interessierte – nicht aber „der gewöhnliche Medienkonsument“ – trotzdem auf dem Laufenden gehalten werden. Doch ist es die Aufgabe privater Blogs, den Auftrag der Medien zu übernehmen? Offensichtlich schon. Es fragt sich: Wie lange verdingt sich die Presse noch als assistierende Hand der Mächtigen? Nehmen die Medien ihre ethische und politische Verantwortung weiterhin nicht wahr, müssen sie sich nicht wundern, wenn ihre Glaubwürdigkeit weiter sinken wird. Und sich die Leser in Scharen den alternativen Medien zuwenden.
 
Weiterführende Links:
 
 
 
 
Bericht in Russia Today vom 30. Mai 2012
 
 
Bericht in Russia Today vom 31. Mai 2012
 

 


Alles für d’Füchs – Einweihung des ersten Wildwechsels der Stadt Luzern

Alles für d’Füchs – Einweihung des ersten Wildwechsels der Stadt Luzern

Am Samstag, 7. Dezember 2013, weihte der Verein Kulturschaffende Littau beim Bodenhof 4 im Ortsteil Littau den „ersten Wildwechsel der Stadt Luzern“ ein. Dabei wurde symbolisch die fü...
Weiterlesen...
Neues Album von Kilez More: Rapvolution

Neues Album von Kilez More: Rapvolution

Das lange Warten hat bald ein Ende: Am Freitag, 28. Juni 2013, erblickt das neue Album des Österreichischen Info-Rappers Kilez More das Licht der Welt. „Rapvolution“ soll die Menschen zum Mi... Weiterlesen...


Jolla, das mobile Betriebssystem um der NSA zu entgehen?

Jolla, das mobile Betriebssystem um der NSA zu entgehen?

Seitdem bekannt ist, dass die NSA mehr oder weniger den kompletten Datenverkehr jedes einzelnen Bürgers überwachen kann, wurden auf den verschiedensten Ebenen Massnahmen und Möglichkeiten entwickelt, ...

Weiterlesen...
Threema wird nicht OpenSource

Threema wird nicht OpenSource

Der Artikel „Schluss mit Mythen rund um Threema“ hat ein unerwartet grosses Echo hervorgerufen. So wurden im Anschluss an diesen Artikel auf unterschiedlichsten Kanälen kontroverse Diskussionen geführ...

Weiterlesen...
powered by withweb