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Die Absolutions-Politik der Antirassismus-Kommission

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Dr. Ulrich Schlüer (Bild: ZVG)Das Ereignis liegt einige Jahre zurück. Flavio Cotti war damals Aussenminister der Schweiz. Die famose Antirassismus-Kommission war bereits daran, die Schweiz auf «Political Correctness» zu trimmen. Der arbeitsfreie 1. Mai fiel in jenem Jahr auf einen Freitag, was Aussenminister Flavio Cotti veranlasste, die Spitze seines Departements zu einem zweitägigen Kader-Seminar nach Bellinzona, in den Heimatkanton Cottis aufzubieten. Einige Mitglieder der Aussenpolitischen Kommissionen beider Räte wurden zu diesem Seminar miteingeladen.
 
Holocaust-Krise
Die Schweiz stand auch damals unter massivem Druck. Die sog. Holocaust-Krise hatte ihren Höhenpunkt erreicht. Improvisiert war die Idee der – später von Volk und Ständen zum Glück verworfenen – «Solidaritäts-Stiftung» in die Diskussion geworfen worden. Die Nationalbank hätte dazu sieben Milliarden aus den Goldreserven einschiessen müssen – nicht zuletzt als Tarnung der unter vermeintlichem oder tatsächlichem US-Druck kopflos angekündigten, wenig später trotz schlechtestem Tiefstpreis überstürzt auch eingeleiteten, vom Bundesrat vehement befürworteten Goldverkäufe aus den Nationalbank-Reserven. Diese Idee als Teil einer Art «Strategie» zur Abwehr der handfest vorgebrachten US-Vorwürfe war ein Hauptgegenstand besagten Seminars.
 
1. Mai-Umzug
Viele Seminar-Teilnehmer trafen mit dem Zug kurz nach Mittag in Bellinzona ein. Vor dem Bahnhof formierte sich gerade der 1. Mai-Umzug der Gewerkschaften. Der öffentliche Verkehr war lahmgelegt, der Bus zum Tagungsort blockiert. Den per Zug Angekommenen blieb nichts anderes übrig, als den Weg zum Seminar-Ort zu Fuss in Angriff zu nehmen. Weil sich gleichzeitig der lautstark Parolen skandierende Demonstrationszug in Bewegung setzte, wurde man, auf dem Trottoir neben den die Strasse füllenden Demonstranten marschierend, zwangsläufig zu einer Art «Eskorte» der Bellenzer 1. Mai-Manifestanten.
 
Die Leitfigur
Ob das lautstarke Kontingent, das man als zum Seminar strebender Fussgänger unfreiwillig zu begleiten hatte, die Spitze des ganzen Umzugs bildete, weiss ich nicht mehr. Genau erinnern kann ich mich aber daran, dass an der Spitze des auf der Strasse geschlossen marschierenden und organisiert Parolen skandierenden Blocks ein Tafel-Träger marschierte – fast so, als wäre man an einer Prozession. Die zum Seminar strebende «Eskorte» sah von dieser Tafel zunächst allerdings bloss die rohe, unbeklebte Rückseite.
 
Die Neugier obsiegte indessen. Mittels Beschleunigung der Schritte gelangte man bald über die Umzugs-Spitze hinaus – bekam also einige Meter Vorsprung auf den die Tafel tragenden Anführer des Blocks. Die Neugierde wurde belohnt: Mit bassem Erstaunen wurde man gewahr, dass die Tafel keine der erwarteten Parolen trug. Sie zeigte vielmehr einen nur allzu bekannten Kopf aus der roten Weltgeschichte: Die 1. Mai-Manifestanten von Bellinzona erwiesen sich als stramme Gefolgsleute des Josef Stalin – eines der skrupellosesten, bluttriefendsten Schlächters in der Geschichte der Menschheit.
 
Stalins «Leistungsausweis»
Stalin hat bekanntlich weiss Gott monströse Menschenrechts-Verbrechen auf dem Gewissen. Der Genozid an den Ukrainern, in Millionen dem gezielt herbeigeführten Hungertod ausliefernd, weil sie sich nicht freiwillig der Zwangskollektivierung unterwerfen wollten, ist bloss eines der schlimmsten dieser Verbrechen. Stalin hat aber auch das Massaker an den tausenden polnischen Offizieren angeordnet, begangen im Zweiten Weltkrieg in Katyn. Das sind schwerste Verbrechen gegen elementare Menschenrechte, im zweiten Fall auch gegen das Kriegsvölkerrecht.
 
Keine Reaktion
Man war, nachdem man das Bildnis des Kriegsverbrechers Stalin an der Spitze des 1. Mai-Umzugs zu Bellinzona erblickt hatte, gespannt auf die politische Reaktion. Sie blieb aus. Sie blieb vollständig aus! Für die Antirassismus-Kommission, die sich, wenn irgendwo verblendete Jugendliche sich von der Person eines Weltkriegs-Schlächters verführen lassen, regelmässig wortreichst moralisierend in Szene zu setzen pflegt, schienen linke Manifestanten am 1. Mai-Umzug mit Stalin als Leithammel tabu für jedwede Kommentierung.
 
Linke scheinen bei den Administratoren der Political Correctness von allem Anfang an und unter allen Umständen Absolution für all ihre Vorbild-Beweihräucherung zu geniessen – selbst dann noch, wenn sie hinter einem der übelsten Schlächter der Weltgeschichte, hinter einem Genozid-Verbrecher, hinter einem tausendfachen Kriegsverbrecher herlaufen und ihre obligaten Sprüche skandieren.
 
Der Umerziehungs-Eifer dieser Antirassismus-Kommission erwacht erst, wenn sie bei einem Nicht-Linken zum Beispiel eine Fahne entdecken. Eine Fahne, deren Emblem zwar wesentlich älter ist als die Bewegung, der die Kommission das Emblem heute zuschreibt. Wer nicht links steht, kann sich nach solcher Entdeckung einer moralisch verbrämten, von demonstrativer Empörung triefenden Aufforderung zur Nacherziehung seitens eifriger Antirassisten sicher sein. Zeigen indessen einige Linke oder repräsentative Organisationen der Linken unverblümte Sympathie zu linken Schlächtern, schauen die professionellen Antirassisten geflissentlich weg.
Ihre moralisch angehauchten Ansprüche scheinen nicht ganz frei von politisch motivierter Schlagseite.
 
Dieser Text entstammt dem «Brisant»-Newsletter, dem aktuellen Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 5. April 2013. Autor ist Chefredaktor Dr. Ulrich Schlüer

Kommentare  

 
-1 #1 Joachim 2013-04-11 16:33
Ich kenne Ukrainer und sie sind regelmässig tief verletzt und wütend wie nachlässig mit Stalin, Lenin und der Sowjetunion umgegangen ist. Dass dieses Gewaltdiktatur Millionen von Toten und Hunderte von Millionen schwerst traumatisierte Menschen hinterlassen hat, scheint irgendwie egal zu sein.

Darum neigen viele Ausländer auch dazu den ganzen Antirassismus und die "Offenheit" als verlogene Heuchelei von gemeingefährlic hen Kriminellen zu betrachten. Mehr ist nicht dahinter. Der Massenmörder Hitler wird nur als Hilfsmittel zur errichtung einer Diktatur benutzt.

Aber Osteuropa erwacht langsam und hat zum Beispiel eine Diskussion darüber ob man die Sojwetzeichen verbieten sollte wie das Hakenkreuz in Deutschland.



Joachim
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