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Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Wen entsendet Luzern in den Nationalrat?

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Teil 3: Die Jungparteien

Im letzten Teil der Serie werden die Jungparteien etwas genauer unter die Lupe genommen. Realistische Wahlchancen werden ihnen dabei im Kanton Luzern kaum zugestanden. Nichtsdestotrotz verdienen die Jungparteien die Aufmerksamkeit nur schon, weil sie oft frecher und konsequenter das fordern, was ihre Mutterparteien nicht mehr auszusprechen wagen. Auch bilden die Jungpolitiker von heute die Polit-Generation von morgen. Ausserdem ist eine aktive Jungpartei ein Anzeichen für eine gefestigte Wählerbasis der Mutterpartei. So kommt es auch, dass lediglich die fünf grössten Parteien im Kanton Luzern über separate Jungparteien verfügen, welche auch zu den Wahlen antreten.

Junge Schweizerische Volkspartei

Mit der tiefsten Listennummer unter den Jungparteien (Liste 7) tritt die JSVP mit acht Kandidaten zu den Wahlen an. Sie rekrutieren sich hauptsächlich aus dem ländlichen Teil des Kantons Luzern. Auffallend ist, dass lediglich eine einzige Frau für die Sache der JSVP einsteht. Unter den grösstenteils unbekannten Gesichtern stechen deren zwei hervor: Simon Ineichen und Anian Liebrand (Redaktor von Info8.ch, d. Red.). Ineichen hat sich bereits für die Kantonsratswahlen zur Verfügung gestellt, wurde jedoch nicht gewählt. Auch Anian Liebrand, Kantonalpräsident der JSVP, hat vergebens für den Kantonsrat kandidiert. Die JSVP, welche nebst der Juso als aktivste Jungpartei im Kanton Luzern wahrgenommen wird, politisiert klar im nationalkonservativeren Flügel der Mutterpartei. Neben einem provokativen Wahlplakat lancierte die JSVP eine kantonale Volksinitiative zum Thema „Mundart im Kindergarten“, bei welcher in diesen Tagen die Sammelfrist abläuft. Glaubt man den Initianten, so soll die Initiative im letzten Moment noch zu Stande kommen.

Junge Grüne

Auch auf der Liste der Jungen Grünen kandidieren acht Jungvertreter. Im Gegensatz zur JSVP stammen hier die allermeisten Kandidaten aus der Agglomeration oder dem Stadtgebiet. Auch in Bezug auf die beruflichen Tätigkeiten der Kandidaten unterscheiden sie sich von der JSVP: So kommt es, dass die bürgerlichen Kandidaten grossmehrheitlich einen technischen Beruf ausüben, während sich bei den Jungen Grünen viele in einem Studium befinden. Bei den politischen Schwerpunkten folgen die Jungen Grünen ganz ihrer Mutterpartei: Der Umweltschutz sowie der Ausbau des Sozialstaates stehen im Vordergrund. Viele der Kandidaten sind auch im Vorstand der kantonalen Jung-Grünen aktiv. Das Interessante an diesem Vorstand ist, dass zwar ein Co-Präsident und verschiedene Vorstandsmitglieder existieren – einen Präsidenten oder etwas Ähnliches sucht der geneigte Wähler jedoch vergebens. Diese Führungslosigkeit macht sich auch im Wahlkampf bemerkbar – von den Junggrünen ist hier keine Notiz zu nehmen.


Junge Christlichdemokratische Volkspartei

Die Listennummer 10 präsentiert fünf Herren, welche für die Jugend-Abteilung des taumelnden, orangen Riesen kandidieren. Angeführt von JCVP-Präsident Tobias Käch bewirbt sich die Liste als „erfrischend konstruktiv“ und lösungsorientiert. Nebst dieser inhaltslosen Floskeln versucht die Partei vor allem bei Themen Fuss zu fassen, welche schon längst von anderen Parteien erfolgreich bewirtschaftet werden. Beispielsweise fordert die JCVP zaghaft die Förderung der Solarenergie im Kanton Luzern. Auch scheint die Partei nicht immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. So findet man auf der Webseite des Nationalratskandidaten Pascal Näf nach zwei Jahren immer noch die Aufforderung, ihn in den Grossen Stadtrat von Luzern zu wählen. Sollten sich die Schicksale der Jungparteien zeitlich verzögert auch auf die Mutterparteien auswirken, so kann im Kanton Luzern für die CVP keine positive Prognose erstellt werden.

JungsozialistInnen

Die Juso rühmt sich, als einzige Jungpartei eine volle Liste zu präsentieren. Mit je fünf Männern und Frauen ist die Liste in der Tat randvoll. Zudem kandidieren David Roth, Präsident der Juso Schweiz und Priska Lorenz, Präsidentin der Juso Kanton Luzern, auf der SP-Liste. Im Gegensatz zu den JCVP-Kandidaten scheinen die Jusos genau zu wissen, was sie politisch erreichen wollen. Von Forderungen wie „Bildung für alle“ über „bezahlbaren ÖV für alle“ bis hin zu „fairen Mindestlöhne für alle“ zielen alle Forderungen auf die Beseitigung der steigenden sozialen Unterschiede ab. Die Juso versteht es, mit einem geringen Wahlkampfbudget eine maximale Wirkung zu erzielen. Jedoch ist davon auszugehen, dass sie sich mit ihrer Klebzettelaktion, bei welcher übergrosse Post-It’s über Plakate bürgerlicher Kandidaten angebracht wurden, mehr Feinde als Freunde gemacht haben wird. Die Juso ist jedoch nicht nur im Wahljahr aktiv, sondern auch dann, wenn gerade nicht Wahlkampf herrscht. Davon zeugen die zahllosen Petitionen, Parlaments-Vorstösse und Medienmitteilungen, welche in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden.

Jungfreisinnige

Sieben Kandidaten und Kandidatinnen strahlen dem Betrachter von der Liste 16 entgegen. Für den freisinnigen Nachwuchs stehen fünf Herren und zwei Damen zur Wahl, welche auf einem Wahlplakat allesamt ein angenehmes Erscheinungsbild ergeben. Leider sind von den Jungfreisinnigen solche Plakate nirgendwo im Kanton Luzern vorzufinden. In jüngster Vergangenheit haben sich die Jungfreisinnigen nicht gerade durch parteipolitischen Aktivismus bekannt gemacht. Neben ihrer Volksinitiative „für freie Ladenöffnungszeiten haben sich die Jungfreisinnigen auf kantonaler Ebene lediglich beim Referendum gegen die Buchpreisbindung hervorgetan. Dabei haben sie es jedoch geschafft, eine Allianz von Grünliberalen bis hin zur JSVP zu schaffen – eine Leistung, die bei den Mutterparteien häufig nicht mehr möglich ist. Ob diese Leistung einen Sitz im Nationalrat reicht, ist hingegen fragwürdig. 

Weiterführende Texte zum Artikel:

Teil 1, Teil 2 der Serie

Leserbrief: Profillose CVP


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