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Überparteiliches Luzerner Komitee "Ja zu Mundart im Kindergarten" gegründet

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Bild: wikipedia.orgIm Kanton Luzern hat sich ein breit abgestütztes überparteiliches Komitee gebildet, das sich für ein Ja zur Volksinitiative „Für Mundart im Kindergarten“ am 22. September 2013 engagiert. Das Komitee betont den wertvollen Nutzen, den das frühe Erlernen der Mundart für fremdsprachige Kinder aufweist. Da die Umgangssprache die effizienteste und auch kostengünstigste Integrationsmassnahme sei, gelte es das Kulturgut Mundart vor unnötigen und übereifrigen Bildungsexperimenten zu schützen, so das Komitee.
 
Aus dem Communiqué:
 
Warum Mundart im Kindergarten - warum die Debatte? Dafür muss man die Ursprünge kennen. Die Bemühungen der Bildungsdirektionen, landauf, landab, die Mundart in der Volksschule und den Kindergärten systematisch zurückzudrängen, sind nämlich eine Reaktion auf die Pisa-Studie aus dem Jahr 2000, die Schweizer Schülern ungenügende Lesefähigkeiten attestierte. In der Folge wurde Frühsthochdeutsch als Allzweckwaffe gegen die ach so mangelhafte Deutschkompetenz der Schweizer Kinder proklamiert. Es wurden Aktionspläne erstellt, von oben herab diktiert.
 
Dr. Hermann Suter (Bild: mundart-luzern.ch)Frühhochdeutsch: Studien und Experten bezweifeln Nutzen
Doch schon bald kamen kritische Stimmen auf. Von Kindergärtnerinnen, Lehrern und Bildungsexperten. Wenn im Kindergarten einmal Hochdeutsch, einmal Mundart gesprochen werde, verwirre das die Kinder und führe zu einer Vermischung der beiden Sprachformen. Studien unterstützen diese Befürchtung, darunter die bisher einzige Dissertation zum Thema („Hochdeutsch im Kindergarten“, Zürich 2007, Autorin: Karin Landert Born). Der Befund: Vor allem Ausländerkinder haben Mühe mit dem Hin und Her von Dialekt und Hochdeutsch. Der namhafte Sprachwissenschaftler Urs Kalberer ist zudem der Überzeugung, dass das Problem, das man mit der Hochdeutsch-Pflicht beheben wolle, ungelöst bleibe: „Kein Schüler kann deswegen besser lesen oder schreiben.“ Dafür erleichtere ein frühes Beherrschen der Erstsprache auch das Erlernen weiterer Fremdsprachen.
 
Dass die Kenntnisse der Schulabgänger in Lesen und Schreiben teilweise mangelhaft und daher verbesserungswürdig sind, nicht zuletzt um den Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden, ist unbestritten. Klar ist hingegen auch, dass die Ursachen dafür vielfältig sind (Falsche Prioritäten infolge unzähliger Schulreformen und -Experimente, Abkehr vom Leistungsprinzip etc.). Mängel in Lesen und Schreiben bei Volksschülern sind sicher nicht auf Mundart im Kindergarten zurückzuführen - eher im Gegenteil!
 
Mundart integriert Fremdsprachige besser
In der Deutschschweiz ist das Schweizerdeutsche die alles dominierende Umgangssprache. Es ist darum wichtig und erstrebenswert, dass möglichst alle hier lebenden Kinder diese Sprache beherrschen. Gerade für die Integration von Ausländern spielt das Schweizerdeutsche eine zentrale Rolle. Pädagogen, die jeden Tag mit kleinen Kindern zu tun haben, wissen, dass auch tamilische, türkische und albanische Kinder Mundart lernen wollen, damit sie mit ihren „Gspänli“ kommunizieren können. So überrascht es auch nicht, dass viele Luzernerinnen und Luzerner mit Migrationshintergrund der Mundart-Initiative von Anfang an positiv gegenüber standen, wie die vielfältigen Erfahrungen aus der Unterschriftensammlung zeigten. Das Integrations-Argument leuchtete den meisten ein, zahllose Unterschriften kamen aus dem Umfeld von Secondos.
 
Jean-Pascal Ammann (Bild: mundart-luzern.ch)Die Mundart ist für viele ausländische Kinder keineswegs fremder als das Hochdeutsche selber. Fremdsprachige Kinder müssen daher unbedingt die Möglichkeit erhalten, unsere Umgangssprache zu erlernen. Gibt es eine bessere Form, sich erfolgreich zu integrieren als über das Beherrschen einer Sprache? Das überparteiliche Komitee ist überzeugt: Die Integration der Secondos, und damit wirkliche Chancengleichheit, geht nur über die Mundart - und dafür ist der Kindergarten eine optimale Umgebung!
 
Keine vollständige Verbannung von Hochdeutsch
Die Volksinitiative „Für Mundart im Kindergarten“ verlangt keineswegs eine vollständige Verbannung der Standardsprache aus dem Kindergarten, wie das einige Gegner der Initiative gerne ins Feld führen. Die Initiative sieht vielmehr vor, dass in Kindergärten grundsätzlich in Mundart unterrichtet wird. Einzelne Blöcke in Hochdeutsch sollen auch in Zukunft möglich sein. Die seit 2006 geltende, voreilig beschlossene Quotenregelung (Hochdeutsch-Unterricht zu 2/3 ist Pflicht) ist aufzuheben, da starre Quoten und Regulierungen nichts bringen. Deshalb bekämpft das Komitee auch den Gegenentwurf, der eine starre 50:50-Regelung implementieren will und weder Fisch noch Vogel ist. Nein zu all diesen Normierungen, lasst die Kinder wieder Kinder sein!
 
Davon überzeugt, dass die Pflege der Mundart die sprachliche Festigung unserer Kinder entscheidend fördert sowie die praktischste und günstigste Integrationsmassnahme ist, engagieren wir uns mit Herzblut und vollem Elan für ein Ja zu Mundart im Kindergarten am 22. September 2013!
 
Dies die Gründungsmitglieder des überparteilichen Komitees (weitere Personen folgen und werden fortlaufend auf www.mundart-luzern.ch aufgeführt):
 
Jean-Pascal Ammann, Student Bauingenieur ETH Lausanne / Vizepräsident JCVP Schweiz, Emmen
Silvan Hofstetter, Student Rechtswissenschaften / Jungfreisinnige, Luzern
Ivo Muri, Geschäftsführer Zeit AG, Sursee
Dr. phil. Hermann Suter, ehem. Rektor Lehrerseminar der Stadt Luzern & alt Grossrat FDP, Greppen

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