Montag, 20. November 2017

Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Das Outsourcing geht weiter

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Tunesische Flüchtlinge auf Gummiboot (Bild:relevant.at)Die dramatischen Tage der tunesischen „Jasmin-Revolution“ sind vorüber. Mit ihrem Mut hat das tunesische Volk die Ägypter dazu angestachelt selbst die Revolte zu üben. Die jetzigen News, die uns aus Tunis noch erreichen, sind die Meldungen über mächtige Flüchtlingsströme, die von Tunesien aus über Schiffe auf der italienischen Insel Lampedusa andocken. Der Hintergrund der Flüchtlinge und die Auswirkungen, die so ein Emmigrantenstrom auslösen können, sind jetzt noch nicht so richtig absehbar. Info8.ch bringt eine kleine Bestandes-Aufnahme und Back-up über den Geburtsort der Islamischen Revolution.

Der Rauch der sogenannten „Jasmin-Revolution“, so ist der schöne Übernahme des Volksaufstandes in Tunesien, ist mittlerweile verflogen. Die Ziele der Revolutionäre sind noch lange nicht erreicht. Nur schon die Tatsache, dass mit Mohammad Ghannouchi ein ehemaliger Weggefährte Ben Alis als Premierminister agiert, stimmt viele Tunesier wütend. Sie verlangten eine absolute Verbannung der ehemaligen Regierungspartei RCD und den Rücktritt aller beteiligten Funktionäre von ihren Ämtern. Mohammad Ghannouchi war vor dem Umsturz immerhin Vorsitzender der RCD-Partei. Nichtsdestotrotz erreichten weitere Proteste, dass alle Büros der RCD geschlossen wurden und keine Treffen mehr der Partei stattfinden dürfen.

Der ehemalige Diktator Ben Ali selbst ist ins Exil geflüchtet, genauer gesagt nach Saudi Arabien, wo auch schon Ugandas Ex-Diktator Idi Amin seinen Lebensabend verbringen durfte. Seine berüchtigte Gattin Leila Ben Ali befand sich die letzten Tage in Libyen, auf oberstem Staatsbesuch bei Präsident Gaddafi, innoffiziell versteht sich. Tunesischen Insider-Berichten geht hervor, dass das Lybische Staatsoberhaupt und die in Tunesien verhasste Frau Ben Alis Schiffe bereit gestellt haben, um eigene Komplizen und Regierungstreue aus dem Land zu schmuggeln.
Angeblich um die eigenen Leute in Sicherheit zu bringen und der EU eine Möglichkeit zu bieten, die Grenzkontrolle an den äussersten südlichen Grenzen zu verstärken.

Tatsächlich gab es ein langes Hin und Her wohin Leila Ben Ali nach der Revolution in der Heimat flüchten konnte. Das Arabische Emirat in Dubai entschloss sich schliesslich die Diktatoren-Ehefrau aufzunehmen. Als Dank überwies sie ihren dortigen Asylgebern 400 Millionen Euro aus der tunesischen Zentralbank.
In der Folge ist unklar, wohin Leila weitergezogen ist, oder ob sie immer noch in Dubai weilt. Erkennt man, dass die momentane Aufmerksamkeit Ägypten gilt und niemand mehr nach den Ben Alis schaut, wird auch schnell klar, dass Leila Ben Ali keine Angst haben muss umherzureisen. Die ganze arabische Welt scheint zu kochen und gerade in solchen Zeiten wird der Zusammenhalt wichtig. Das gilt auch für Diktatoren.

In vielen Ländern, besonders in Nordafrika, gehen die Menschen auf die Strasse und demonstrieren gegen ihr Regime. Auch in Libyen wehrt sich das Volk nach und nach gegen seinen seit über 40 Jahre herrschenden Diktator Muammar al-Gaddafi. Der Präsident der Afrikanischen Union und Bewunderer der Europäischen Union wurde als Beduinen-Sohn in Libyen geboren und bezeichnet sich selbst als Revolutionsführer der islamischen Welt. Ironischer weise braut sich gerade eine Revolution in seinem eigenen Land zusammen, nota bene gegen ihn selbst! Da Gaddafi nicht dumm ist, weiss er, wenn er etwas tun muss. Er bedaure den Fall des Ben Ali-Regimes und gibt somit zu verstehen, auf welcher Seite er steht. Leila Ben Ali, geborene Trabelsi, verbindet schon seit Jahren ein enges Verhältnis zum Gaddafi-Regime. Da ist es nur logisch, dass die beiden zusammenspannen würden. Da die Diktatoren-Dame ja kein Unmensch ist, will sie sich noch um ihre vielen Verwandten, welche in Tunesien stecken geblieben sind, kümmern. Die Trabelsi-Familie ist riesen gross und die Revolutionäre sehen in ihnen das Ebenbild des Feindes. Da ist es nur logisch, dass diese Leute so schnell wie möglich das Land verlassen möchten. Gaddafi auf seiner Seite kann sich seiner Macht auch nicht mehr allzu sicher sein und bereitet daher auch einen Exodus vor.

Nun behaupten einige tunesische „Networker“ (Leute, die mit sozialen Netzwerken (Social Networks) Informationen austauschen), die übrigens zu den Hauptmotoren der Revolution zählen, dass Leila Ben Ali und Muammar al-Gaddafi sich in einem Treffen darauf geeinigt haben, Flüchtlingsschiffe mit ihrem Gefolge zu füllen und nach Italien zu verschiffen.

Über 5‘000 Flüchtlinge sind auf Lampedusa eingetroffen. Die italienische Regierung rechnet in Zukunft mit bis zu 80‘000 Flüchtlingen, falls die Grenzkontrollen nicht verschärft würden. Die EU hat daraufhin Hilfsgelder von mehreren Millionen Euro zugesprochen, damit mittels Frontex das ganze Küstengebiet um Italien grossräumig überwacht werden kann. Gemäss einer Meldung der Berner Zeitung sind bisher schon mehr als 5 Menschen bei der Überfahrt von Tunesien nach Lampedusa umgekommen, über 30 wurden verletzt, weil die Schiffe der Küstenwache ausgesuchte Flüchtlingsboote gerammt haben.

Nun stellt sich die Frage, wer denn nun einen Nutzen hat von so einer Meldung. Es ist schon einmal tragisch, dass aufgrund von wagen Vermutungen und Schüren von Ängsten ein Staat wie Italien gleich Soforthilfe in Höhe von 100 Millionen Euro für den „Schutz“ der Küste anfordert. Zum Vergleich: Die griechische Regierung erhielt vergangenen Herbst eine ähnliche Hilfezahlung um die Grenze gegen die Türkei zu sichern. Die Summe betrug aber lediglich 9.8 Millionen Euro. Die italienische Regierung erbittet nun von der Europäischen Union immense Summen um einen Flüchtlingsstrom zu stoppen, der gar nicht nötig wäre.

Wäre man sich bewusst, wie wichtig es ist, die Anliegen des Volkes ernst zu nehmen, dann wäre die Hilfestellung des Westens während der Revolution in Tunesien anders verlaufen. Die Tatsache, dass mit Mohammad Ghannouchi immer noch ein ehemaliger RCD-Funktionär an der Macht Tunesiens ist, auch wenn nur vorübergehend, zeigt wie wenig Ernst die Politiker und Eliten des Landes die Anliegen des Volkes nehmen. Diese Ignoranz kann in Zukunft nur zu mehr Unruhen führen, sollte dieser unersättliche Durst nach Machterhaltung nicht enden. Die Menschen, die weiterhin kämpfen wollen und bereit sind, Tunesien in eine neue, bessere Zeit zu führen, bleiben im Land. Diverse Gruppierungen starten Kampagnen, um die Vorzüge Tunesiens hervorzuheben und die Gastfreundschaft und Offenheit des Landes zu zeigen. Die Menschen aus Tunesien wünschen sich, dass ihr Land positiv in der Welt gesehen wird und Aktivisten haben mich persönlich dazu gebeten, die Leser dieses Artikels dazu aufzufordern, Werbung für Tunesien zu machen und an die guten Aspekte der Revolution zu erinnern.

Die Menschen, die den Mut aufgeben und nicht mehr an die Regierung glauben, versuchen ihr Glück auf Booten in Richtung Norden. Dort wartet in Zukunft jedoch die Europäische Küstenwache und verhindert, dass Europa nicht von den Flüchtlingen überrannt wird, die nur deshalb aus ihrem Land flüchten, weil sie nicht genügend Unterstützung vom nördlichen Nachbarn erhalten haben. Nun beginnt die Phase der Selbstkritik. Kann die Schweiz Flüchtlinge aufnehmen aus einem Land, dass sie seit Jahren als die Touristenattraktion anpreist und kein Wort über die Diktatur verliert? Das Geld der Tunesischen Regierung ist jedenfalls schon mal auf den Schweizer Konten eingefroren und die Flüchtlinge aus Tunesien können sich auch darauf freuen zu frieren, wenn sie aus ihrem sonnigen Mittelmeerparadies in die Alpen kommen.
 


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