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Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Die „Jasmin-Revolution“ ist zerbrechlich

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Die Revolution bahnt sich ihren Weg (Bild:linke.cc)Der erste Teil der Revolution in Tunesien ist Geschichte. Die Regierung anerkannte, dass Neuwahlen nun unerlässlich sind. Trotzdem protestieren immer noch hunderte Menschen auf den Plätzen Tunis‘. Ein Tatbestand, der noch böse Folgen für die zerbrechlichen Ideale der jüngsten Revolution in Tunesien haben kann.

„Wir werden uns langsam der Situation bewusst.“ So die Worte der meisten Tunesischen Freiheitsstrebenden. Tatsächlich ist die Lage in Tunesien durchaus instabil. Die Phase der Neuordnung in Tunesien ist gekommen. Viele Tunesier wünschen sich wieder eine Rückkehr in ein normales Leben mit freien Rechten.
Dadurch, dass die Situation auf politischer Ebene noch sehr undurchsichtig ist, fühlen sich viele Bürger unsicher. Es herrscht immer noch Gewalt auf den Strassen und die Demonstrationen vor dem Regierungsgebäude nehmen keinen Abbruch. Info8.ch beleuchtet die aktuellen Zustände in Tunesien und die möglichen Auswirkungen der Revolution.

Die Revolution kennt ihre Feinde
In Zeiten der Revolution geht meist alles sehr schnell von statten. Ein Wechsel wird angestrebt, der möglichst rasch vollzogen werden „muss“. In solch einer Situation ist es für die Gesellschaft sehr wichtig, wie sie sich verhaltet und wem sie vertraut.
„Nur die unkultivierten Leute aus dem Süden protestieren noch in Tunis.“, so die Ansicht vieler Studenten in Tunesien, welche die Revolution mitgetragen haben. „Wenn das so weiter geht, dann wird das katastrophale Auswirkungen haben auf die Entwicklung in Tunesien!“, lässt sich der Aktivist B.D.* zitieren.

Die Bürgermiliz „AMMAR“ ruft daher alle Demonstranten auf, Ruhe zu bewahren und die aktuelle Regierung machen zu lassen. Die Hoffnung ruht dabei vor allem auf die kommenden Neuwahlen. Bis diese von Statten gehen können, müsse erst mal Ruhe in Tunesien einkehren. Die Demonstranten in Tunis skandieren immer wieder „Habib Bougiba!“, was der Name des Vorgängers von Ex-Diktator Ben Ali war. Bougiba gilt in der Geschichte Tunesiens nicht gerade als Heilsbringer. Jedoch wünschen sich die Leute wieder eine Verfassung wie unter eben diesem Habib Bougiba.

Viele Tunesier die sich durch die Revolution Besserung in ihrem Land erhofft haben, sehen diese durch die anhaltenden Demonstrationen gefährdet. Die „Gemässigten Aufständischen“, die eine kontrollierte Revolution anstreben, befürchten zwei verschiedene Szenarien:

Erstens: Die Interessensgemeinschaft USA und Israel (kurz USRAEL), wird die anhaltende Gewalt so werten, dass sie sich „gezwungen sehen“ das Militär mit der grösst-möglichen Macht auszustatten und somit einen erneuten Diktator zum Kopf Tunesiens machen.
Zweitens: Die oben genannte IG wird selbst militärisch eingreifen und das Gebiet besetzen. Dabei wird spekuliert, dass Tunesien dazu missbraucht wird um Algerien und Lybien angreifen zu können. Sozusagen als Militärische Frontbasis.

Vor allem angesichts des zweiten Szenarios befürchten viele Tunesier das schlimmste. Daher werden die Leute via „Facebook“ und „Twitter“ dazu aufgerufen lediglich Kundgebungen im eigenen Kreis zu halten und die Regierung nicht länger zu belästigen. Das Ziel müssten faire Neuwahlen sein.

Ein neues Tunesien soll her!
Viele Einwohner des nordafrikanischen Ferienlandes fühlen sich immer mehr durch die Revolution belastet. Rafika M.*, die Rektorin eines ländlichen Jungeninternats sagt, dass die Kinder wieder zurück in die Schule möchten. „Wir verstehen die Situation, wollen jedoch auch wieder einen Weg zur Normalität finden. Die Politiker sollen ihren Job machen.“

Tunesien sieht sich vor allem mit dem islamischen Hintergrund konfrontiert. In der Tat ist Tunesien der säkularste islamische Staat überhaupt. Die Ausübung der Religion ist nur unter grossen Auflagen gestattet und viele islamische Parteien und Prediger wurden vom Ben-Ali Regime verfolgt. Jedoch fordern viele Tunesier einen lockereren Umgang mit dem Islam. Die meisten Tunesier sehen sich als gemässigte Moslems. Sarra K.*, eine Lehrerin aus Hammamat, einem Touristenort südlich von Tunis, hofft darauf, ihre Religion in Zukunft freier leben zu dürfen. „Ich möchte wieder das Kopftuch an der Schule tragen dürfen. Bisher war es verboten. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, dass das Kopftuch nicht ein Symbol für Extremismus und Islamismus ist, sondern ein Symbol der Freiheit!“

Tunesien ist der Prüfstein
Viele Menschen in Europa oder Amerika hätten sich nicht denken können, dass ausgerechnet in Tunesien oder Ägypten ein solcher Aufstand der Bevölkerung möglich wäre. Viele sind der Meinung, dass solche Revolten doch eigentlich in den Ländern stattfinden sollten, die in der allgemeinen Öffentlichkeit auch als diktatorisch gelten. Dass gerade Tunesien als afrikanisch und zugleich islamisches Land die erste richtige Revolution des 21. Jahrhunderts vollbringt, ist sehr interessant. Zugleich ist es auch ein Spiegelbild dessen, wie sich die gesellschaftliche Welt gewandelt hat. Afrika war zwar immer schon ein ressourcenreiches Gebiet, jedoch wird dieser Kontinent in den kommenden Jahren immer wichtiger. Gleichzeitig ist auch die islamische Welt auf dem Vormarsch. Global gesehen muss aber trotzdem die Frage gestellt werden, wer denn letztlich von natürlichen Ressourcen und dem Islamismus profitiert?

Der Aktivist B.D. sieht die Lage in Nordafrika als ziemlich bedrohlich. „Falls die gewalttätigen Proteste nicht aufhören, sehe ich eine grosse Gefahr! Für Länder wie die USA und deren Konzerne ist Nordafrika ein hervorragendes Gebiet, was die natürlichen Ressourcen angeht. Gleichzeitig können während eines Konflikts auch viele Waffen verkauft werden, was auch sehr verlockend ist. Wir müssen gegen die Minderheit von unkultivierten Menschen vorgehen und deren Proteste stoppen. Ansonsten verlieren wir unsere Chance auf Demokratie. Wir wissen, dass momentan viele Telefonate zwischen den USA, Israel und der EU stattfinden. Momentan kämpfen wir vor allem gegen die Zeit. Jede Sekunde ist wichtig!“
 
*Die vollen Namen sind der Redaktion bekannt.


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