Montag, 20. November 2017

Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Tunesien vor dem Scheideweg

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(Bild:aussen-sicherheitspolitik.de)Die Revolution in Tunesien schreitet voran. Die vergangenen Tage und Wochen haben bewiesen, wie mächtig ein Volk als Einheit sein kann. Trotzdem gibt es im nordafrikanischen Land immer noch tagtäglich Konflikte. Die Veränderung wird angesichts der Lage immer schwieriger zu steuern.

Info8.ch versucht, mit Hilfe von tunesischen Aktivisten, ein transparenteres Bild von der Revolution in der ehemaligen Diktatur Tunesiens zu zeigen. Wie bereits berichtet demonstrieren mittlerweile vor allem die Menschen aus dem Süden Tunesiens vor den Regierungsgebäuden Tunis‘. Diese Minderheit der Bevölkerung reist dafür mit eigenen Autos und organisiert mit Bussen in die Hauptstadt im Norden des Landes. Weil mit diesen Demonstrationen keine richtige Ruhe einkehren kann, spaltet sich die Bevölkerung in zwei Lager. Am Mittwoch, dem 26. Januar 2011 fand eine weitere Gross-Demonstration in Tunis statt. Was jedoch nicht von allen Tunesiern geschätzt wird. Die einen wünschen sich Protests-Stopps, damit rasche Neuwahlen durchgeführt werden können. Die anderen sind mit der Übergangsregierung nicht zufrieden und forcieren weitere Änderungen im Machtgefüge.

Selbst die Minderheit aus dem Süden hat Macht
Gemäss dem Aktivisten B.D.* sieht die Wirklichkeit für die Menschen im Süden Tunesiens düster aus. „Es sieht so aus, als hätten viele dieser Menschen während der Revolution Mitglieder ihrer Familie verloren. Seit über 23 Jahren leben diese Leute nun unter Fremdherrschaft. Das ist der Grund, weshalb die tunesische Bevölkerung sich verändert hat und immer mehr die Rebellen unterstützten. Ich persönlich habe Tränen in den Augen, wenn ich diese Leute im Fernsehen sehe, die den Mut beibehaltend, dem kalten Wasser widerstehen und die Nächte vor dem Gerichtsgebäude verbringen um ihre Ideen wiederzugeben.“

Man muss dazu gestehen, diese unermüdliche Weiterführung des Protests effektiv ist. Die tunesische Minderheit aus dem Süden wird von der Regierung und auch von der tunesischen Bevölkerung gehört. Der momentane Präsident der Übergangsregierung, Mohammad Ghannouchi, hat sich sogar dazu entschlossen, bedeutende Ministerposten wieder umzubesetzen, weil es der Wunsch der Bevölkerung ist, dass keine Vertreter der ehemaligen Machthaberpartei „RCD““ in der Regierung sitzen. Tatsächlich ist Ghannouchi selbst ein ehemaliger Weggefährte von Diktator Ben Ali und somit selbst ein Teil des alten RCD-Machtkomplexes. Noch sind drei Exponenten der RCD im Kabinett vertreten. (Stand: Freitag, 28. Januar 2011)

Zudem hat man sich entschlossen, ab sofort offiziell nach dem ehemaligen Diktator Ben Ali und seiner Familie mittels Interpol zu fahnden. Die „Verbrecher“, wie es die Tunesier sehen, sollen nach internationalem Recht gesucht und verhaftet werden. B.D. gibt zu verstehen, dass dieser bisher einzigartige Beschluss durch den Druck der Demonstrationen vom 26. Januar 2011 zu Stande kam.

Die Absolution kommt vom Westen
Einer Tatsache sind sich viele Leute in Tunesien bewusst. Eine langfristige Veränderung im Land kann fast nur mit der Unterstützung des Westens zustande kommen. Der US-amerikanische Präsident Barack Obama hat seine Bewunderung für den Mut der Tunesier ausgedrückt. Mitglieder des Kongresses applaudierten euphorisch, als Obama sich auf die Seite der Tunesischen Bevölkerung stellte und die Macht erkannte, die ein Volk gegen eine Diktatur aufbringen kann. Die Rolle der USA wird jedoch vielerorts als kritisch betrachtet. Es herrscht die Befürchtung, dass die USA das Vertrauen der tunesischen Bevölkerung nur wecken will, damit die amerikanische Regierung ihr Eigeninteresse in der Region fördern kann. Die Menschen Tunesiens werden als Kämpfer gesehen, welche ihre Rechte hart verteidigen.

„Amerika fängt langsam an, zu realisieren, was sich wirklich auf dem tunesischen Grund und Boden abspielt. Die einzige Lösung für Obama ist dies zu schätzen und die Liebe der Tunesier zu gewinnen.“, so der tunesische Aktivist B.D.*

Die grosse Frage wird sein, wer in Zukunft das Sagen in der nordafrikanischen Ferienregion hat. „Die USA werden einsehen, dass die tunesische Bevölkerung bereit für die Demokratie ist und dass es in Zukunft nie mehr eine Möglichkeit geben wird, dass eine neue Diktatur entstehen kann. Das Ziel für die USA muss nun sein, bewerkstelligen zu können, dass es neue, faire und unabhängige Wahlen in Tunesien gibt. Zudem müssen sie diese kontrollieren! Die USA hat gar keine andere Wahl, sollte die Revolution in diesem Sinne weitergehen.“

Der Ruf nach Demokratie ist somit immer noch ungebrochen. Nur, Demokratie heisst, dass die Macht beim Volk liegt. Fremdinteressen haben da nichts verloren, da nur eine mündige Bevölkerung auch für die eigenen Entscheidungen haftbar gemacht werden kann. Bisher war die Idee der Demokratie in vielen Ländern der islamischen Welt schwer durchzusetzen. Bedenkt man die geopolitische Wichtigkeit Nordafrikas, dann ist es schwer zu glauben, dass es keine fremden Interessen in diesem Gebiet gibt.

„Das Vertrauen und die Liebe der Tunesier zu gewinnen ist ein Ziel für die USA und Israel um eine Allianz in Nordafrika zu haben. Dies ist ein strategischer Punkt um Lybien zu kontrollieren. Vor allem, da Lybien und die USA nicht auf sehr gutem Fusse zueinander stehen.“, die Worte des politischen Aktivisten B.D.* klingen fast beängstigend. Fakt ist jedoch, dass der Zuspruch für Tunesien ständig wächst. Sogar der lybische Präsident, Muammar el-Gaddafi, liess verlauten, dass er nun ebenfalls nicht mehr Ben Ali unterstützt. Dies ist das erste Mal, dass sich Gaddafi der tunesischen Bevölkerung annähert. Allerdings hat er wohl kaum eine andere Wahl, da sich nun die USA offenbar ebenfalls Tunesien annäheren und sich eine Allianz gegen ihn aufzubauen droht. Tunesien wird somit immer mehr ein strategischer Mittelpunkt in der Welt.

Zwei Länder im Ausnahmezustand
Zwei Studenten Tunesiens, die am Ursprung der Revolution standen, jedoch nicht namentlich erwähnt werden möchten, sagten, dass sie nun langsam das Licht der Freiheit sehen. Sie sind zudem sehr glücklich, da die Regierung sich nun endlich um die Bildung kümmert. Trotzdem blicken sie leicht ängstlich auf die kommenden Tage. Sie hoffen, dass Ben Ali möglichst bald festgenommen wird. Dennoch befürchten sie, dass die Verfolgung Ben Alis einen kleineren Bürgerkrieg zwischen RCD-Anhängern und der Bevölkerung auslösen könnte.

Dass eine Regierung ziemlich harsch gegen das eigene Volk vorgehen kann, sieht man auch an den Entwicklungen in Ägypten.

Viele Ägyptische Studenten haben sich die Tunesier zum Vorbild genommen und drangen auf die Strassen um gegen die Regierung Hosni Mubaraks zu demonstrieren. Die Abläufe der Aufstände in Ägypten ähneln sehr den Bildern aus Tunesien. Jedoch besteht laut B.D.* ein bedeutender Unterschied. „Der amtierende Präsident von Ägypten, Hosni Mubarak, wird von der Welt sehr viel mehr unterstützt als Tunesiens Ex-Präsident Ben Ali. Das ist dadurch bedingt, dass in Ägypten eine starke islamische Partei vorhanden ist, welche eine grosse Bedrohung für die USA, Israel und die EU ist. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie viele Ägypter stark genug sind um gegen die Diktatur und für die Demokratie und Freiheit zu kämpfen.“

*Name der Redaktion bekannt.
 


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