Donnerstag, 23. November 2017

Letztes Update 22.03.2016 22:37

You are here: Hintergründe Nachgefragt, Nachgehakt AZ-“Freunde“ schnüffeln bei bürgerlichen Politikern

AZ-“Freunde“ schnüffeln bei bürgerlichen Politikern

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Bild: aare24.chPhilipp Maeder, Redaktor der Aargauer Zeitung (AZ), war es, der die „Facebook-Freundschaft“ mit Grossrat Daniel Heller für eine grossflächige Sommergeschichte genutzt hat. Die Vermutung liegt nahe, dass zwecks „herumschnüffeln“ und „ausspionieren“ in den letzten Wochen Redaktoren der AZ mit einer gewissen Systematik versuchen, Einsicht in die Facebook-Aktivitäten bürgerlicher Politiker und Nationalratskandidaten zu bekommen. Doch was ist das Motiv?
 
Dreiviertel der Inlandsseite nahm diese Woche ein Artikel ein, der von der Aargauer Zeitung produziert und von allen angeschlossenen Zeitungen übernommen wurde.
 
„Fiasko: Ein Grossrat beleidigte Bundesrätin Leuthard im Internet“, stand als Überschrift. Ein Politiker in der Facebook-Falle? Beleidigung einer Bundesrätin? Da wird man hellhörig und liest weiter. Doch was dann kam, macht stutzig.
 
Daniel Heller, der freisinnige Fraktionschef im Aargauer Grossen Rat, soll in seinem Profil auf Facebook geschrieben haben, dass Bundesrätin Leuthard „nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe“ sei und stellte fest, dass heute „Mediengewandtheit und Aussehen auch in der Schweiz ausreichen, um an die Spitze zu gelangen.“
 
Eine Beleidigung oder einfach nur eine Meinung?
Ob Bundesrätin Leuthard „auf der Höhe ihrer Aufgabe“ ist oder nicht, ist schlicht Ansichtssache, bestenfalls politische Kritik, aber sicher keine Beleidigung. Ist es beleidigend zu sagen, Mediengewandtheit und Aussehen würden auch in der Schweiz ausreichen, um an die Spitze zu gelangen? Ist es umgekehrt beleidigend, wenn jemand beispielsweise behauptet, Bundesrätin Widmer-Schlumpf sei an die Spitze gekommen, obwohl sie über keine Mediengewandtheit und über kein gutes Aussehen verfüge?
 
Beide Behauptungen sind keine Beleidigungen, sondern schlicht und einfach persönliche Meinungen, die man grundsätzlich haben und äussern darf - auch als FDP-Fraktionschef.
 
Facebook-Freundschaft missbraucht
Die meisten Profile beim Internet-Dienst Facebook sind so eingestellt, dass die Aktivitäten bei Facebook nur eingesehen werden können, wenn man zuvor vom Inhaber des Profils als „Freund“ akzeptiert wurde. Damit sind Äusserungen über das persönliche Facebook-Profil nicht etwa öffentliche Meinungsäusserungen, sondern für den eingeschränkten Kreis seiner eigenen bestätigten „Facebook-Freunde“ gedacht. Entsprechend gross ist natürlich die Überraschung, wenn man von einem so genannten „Freund“ für einen Eintrag in seinem Facebook-Profil öffentlich an den Pranger gestellt wird. Im Fall von Grossrat Daniel Heller wurde die „Facebook-Freundschaft“ missbraucht, um unter dem Deckmantel des „öffentlichen Interesses“ eine Sommerlochgeschichte zu produzieren.
 
Dazu kam, dass Heller ein Malheur unterlaufen ist: Seine Meinungsbekundung wollte er eigentlich an einen einzelnen Facebook-Freund richten und nicht seiner ganzen geschlossenen Benutzergruppe zugänglich machen.
 
Auf Anfrage wollte Daniel Heller keine Stellung zum Fall mehr nehmen. Er hat sich umgehend bei Bundesrätin Leuthard entschuldigt. Aus der Erfahrung hat er wohl gelernt und wird generell nur noch „zitierfähige“ Aussagen auf seinem Facebook-Profil machen.
 
AZ verheimlicht Namen des „Facebook-Schnüfflers“
Da stellt sich natürlich die Frage, wer denn die „Facebook-Freundschaft“ von Daniel Heller missbraucht und aus einer persönlichen Meinungsäusserung in einer geschlossenen Benutzergruppe einen grossflächigen Inland-Artikel in der Aargauer Zeitung produziert hat? Schaut man im besagten Artikel vom 6. Juli nach, findet man keinen Namen. Im Gegenteil: Der Artikel wurde zwar von Lorenz Honegger und Christof Forster geschrieben. Im Artikel selber wird jedoch mehrfach auf einen “az-Redaktor, der mit Heller auf Facebook befreundet ist...“verwiesen, ohne seinen Namen zu nennen.
 
Warum will der betreffende az-Redaktor denn nicht namentlich genannt werden? Es gibt nur einen möglichen Grund: Weil er noch mit anderen Politikern, vornehmlich bei Nationalratskandidatinnen und -kandidaten, über Facebook befreundet ist und hier im Wahlkampf gerne noch etwas „mithorchen“ möchte?
 
„Cross-Check“ brachte einen Treffer
Das hat uns stutzig gemacht. Wir von aare24.ch haben recherchiert und den Namen des Redaktors, der sich unter den Facebook-Freunden von Grossrat Daniel Heller befunden hat, herausgefunden. Es war Philipp Maeder. Maeder war beispielsweise auch unter den Facebook-Freunden von Grossrat Andreas Glarner und ist auch bei mehreren Nationalratskandidaten nach wie vor als „Freund“ aktiv.
 
Bei Ständerat Maximilian Reimann ist es erst drei Wochen her, seit Maeder zwei „Freundschaftsanfragen“ gestellt hat, um beim Facebook-Profil des Ständerats mithorchen zu können. Doch Reimann hat nach eigenen Aussagen grundsätzlich keine Freunde bei der Aargauer Zeitung, die nicht einmal seine Leserbriefe veröffentliche und die „Freundschaftsanfragen“ von Philipp Maeder kurzerhand abblocken lassen.
 
Auch der stellvertretende Chefredaktor der Aargauer Zeitung, Werner de Schepper, ist offensichtlich in der Politik auf der Suche nach „Facebook-Freunden“. Ein Zufall, dass er am letzten Montag auch bei Heller mit einer Freundschaftsanfrage anklopfte?
 
Wetten, dass die Facebook-Falle nur bei missliebigen bürgerlichen Politikern zuschnappt?
Diese Woche machten unter den bürgerlichen Nationalratskandidaten Mails die Runde, in denen vor AZ-Redaktoren gewarnt wurde, welche gezielt die Facebook-Aktivitäten der Kandidierenden in ihren geschlossenen Benutzergruppen aushorchen und ausspionieren. Man ist nun unter den Parteien gespannt, ob die “Facebook-Falle“ (wie sie die AZ am 6. Juli genannt hat) nur missliebige Politiker der SVP und freisinnige „Atom-Lobbyisten“ trifft, oder ob von der AZ auch mal ein Sozialdemokrat, Grünliberaler oder CVP´ler „berücksichtigt“ wird. Denn wer sucht, findet auf Facebook immer etwas, über das man eine Dreiviertel Seite grosse Sommergeschichte machen kann. Man darf gespannt sein.
 
Undercover-These
Immerhin muss man Redaktor Philipp Maeder anrechnen, dass er unter seinem vollen Namen, mit Foto und Berufsangabe der Aargauer Zeitung in Facebook aufgetreten ist. Das ist ehrlich und transparent.
 
Es herrscht unter den Nationalratskandidaten aber auch die These, dass sich möglicherweise weitere Journalisten, evtl. Praktikanten, mit falschen Namen, Fantasie-Porträtbildern und evtl. sogar falscher Geschlechtsangabe, unter den Facebook-Freunden eingenistet hätten, um (natürlich „im öffentlichen Interesse“) Kandidaten auf ihre „politische Korrektheit“ hin auszuspionieren. Sollte sich diese „Undercover“-These erhärten, wären wir nicht mehr weit von einem Skandal à la englisches Boulevard-Blatt „News of the world“ entfernt.
 
Dieser erstmalig auf aare24.ch erschienene Artikel stammt von Roman Jäggi. Info8.ch publiziert den Beitrag mit der freundlichen Genehmigung des Autors.

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