Occupy Zentralschweiz: Friedlicher Gedenkmarsch in Zug

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Bild: Info8.chAm vergangenen Freitag fand in Zug am Tag der Schnaps-Zahl 11.11.11 ein Marsch vom UBS-Hauptsitz zum Areal des Rohstoffkonzerns Glencore in Baar statt. Die sogenannte „Antifa“ okkupierte die Occupy-Aktion wegen selbst erfundenen Verschwörungstheorien. Trotzdem fanden sich mehrere Dutzend unabhängige Aktivisten in Zug ein und trugen auf friedliche Weise ihren Protest auf die Strasse.

Der friedliche Gedenkmarsch vom Metalli Center nach Baar startete, nachdem sich die Teilnehmer ab 20.00 Uhr vor der UBS einfanden. Ursprünglich von "Occupy Zentralschweiz" organisiert, rief die ominöse Gruppierung „Antifa“ (für Antifaschisten) Tage zuvor per Facebook ebenfalls zur Teilnahme auf. Sie verbreitete darin krude Verschwörungstheorien und aggressive Hassparolen, womit sie womöglich so manchen friedlichen Interessierten von einer Teilnahme am Gedenkmarsch abschreckten. Ihre nachweislich falsche Desinformations-Kampagne reichte dagegen, eine handvoll selbsternannte Antifaschisten auf den Plan zu rufen, um den Trauermarsch für Spekulationsopfer mit lautstarken Parolen und grossem Transparent zu sabotieren. 

Doch die Extremisten blieben in der krassen Minderheit. Das Bild dominierten vorwiegend junge, aufgeweckte Menschen, die meisten davon aus Zug und der ganzen Zentralschweiz. Sie liessen sich von den krawallsuchenden Antifas nicht beirren und stellten, mit Fackeln und Teelichtern bepackt, die Sache ins Zentrum. Ohne grossen Aufsehens und um ein gutes Aussenbild bemüht, räumten sie auch die liegen gelassenen Bierflaschen und weiteren Abfall der Antifa weg. Anstand ist schliesslich Sache der Erziehung. Unter die Demonstranten mischte sich in zivil auch der Zuger Polizeisprecher Hürlimann. 

Polizeiliches Grossaufgebot
Da die Demonstration nicht bewilligt wurde - so die Begründung - legte die Polizei, die mit etwa zehn bewaffneten Beamten, Schäferhund und drei Kastenwagen ausrückte, die Route des Gedenkmarschs kurzfristig selbst fest. Occupy Zentralschweiz hatte zuvor einen Marsch der Baarerstrasse entlang zum Glencore-Firmensitz angekündigt. Neu hatte die Route über die Industriestrasse verlaufen sollen. Die Ordnungshüter verboten den Aktivisten zeitweise gar die Benützung des öffentlichen Trottoirs, wofür die Rechtsgrundlage umstritten ist.

Schon Tage vor der Kundgebung orientierte sich die Polizei bei Occupy Zentralschweiz wegen allfälliger Ausschreitungen und in welchem Umfang der angekündigte Gedenkmarsch erwartet werde. Dabei erwies sich die ursprüngliche Schätzung von bis zu 30 Teilnehmern als realistisch. Zusätzlich dazu zu zählen waren die Antifas und die Polizisten. Die Medien schrieben tags darauf von 50 teilnehmenden Aktivisten. Schon im Vorfeld war klar, dass lediglich die aggressive Präsenz der Antifa zu Spannungen führen könnte. Auch das war eine zutreffende Analyse. Interessant: Obwohl das Facebook-Profil des Gedenkmarsch-Organisators anonym war, leitete Facebook die Daten offenbar insgeheim an die Polizei weiter. So läuft das also in den sozialen Medien: Wer sich politisch engagiert, dessen Daten werden bei Bedarf dem Staat ausgeliefert.

Flagge gezeigt - und wieder gegangen
Um 20.20 Uhr waren die Leute vor dem UBS-Hauptsitz immer noch in Diskussionen vertieft. Eine JUSO-Mitglied kreuzte mit einer Parteifahne auf und sagte, er sei von seiner Partei angewiesen worden, „Flagge zu zeigen“. Als ihm klar gemacht wurde, dass es an dem Anlass nicht darum ginge, eine Partei, sondern sich als Mensch zu vertreten, verliess er den Ort wieder und nahm seine Flagge mit. Die Antifa dagegen wurde von mir persönlich in ein Gespräch verwickelt, weil ich den Anschuldigungen, ich wäre ein „menschenverachtender Rassist, der mit Faschisten zusammenarbeitet“, näher auf den Grund gehen wollte. Ausserdem wollte ich sie aus journalistischer Sicht fragen, aus welchem Grund sie den Gedenkmarsch mit Megaphon und Transparent vereinnahmen wollten. Denn weit und breit waren keine gefürchteten „Faschisten, Rassisten oder Neonazis“ zu sehen. Obwohl das natürlich nicht unbedingt ein sichtbares Attribut sein muss.

Wo sind die Faschos?
Mit 30 Minuten Verspätung und Unruhe unter den neutralen Teilnehmern lief eine Gruppe mal los. Die Antifa zögerte keinen Moment und setzte sich kurz darauf mit ihrem Transparent demonstrativ an die Spitze der Protestgruppe. Mit lautem Geschrei und provokativen Parolen, teilweise mit Fäkalsprache durch ein Megaphon gepresst, stampften die wenigen hellhäutigen Antifa-Aktivisten zum selbst propagierten Rassismuskampf voraus. Doch nach wenigen Metern am Ende des Metalli-Centers kam es zum ersten Test. Die Polizei versperrte den Fussweg zur Baarerstrasse und Herr Hürlimann begleitete den Zug. Die wenigen Antifaschisten krakelten ein paar Minuten vor der Polizei-Mauer, während die anderen verstreut umher standen und die Situation beobachteten. In der Hoffnung, die rüpelhaft auftretenden Linksextremen loszuwerden, bogen die Aktivisten in die Industriestrasse ab. Doch die Antifa holte sie wieder ein und setzte sich gleich wieder an die Spitze des Demonstrationszugs.

Die Antifa lieferte den ganzen Abend über ein merkwürdiges Brimborium ab - aus dem Motiv heraus, nicht Erwünschte Occupy-Aktivisten zu diskriminieren. Aus ihrer Sicht gehört die Occupy-Bewegung ausschliesslich in linke Hände. Dabei scheinen sie sich als Selektionstrupp zu verstehen, der Andersdenkende unterdrückt. Diese Engstirnigkeit geht gar soweit, dass mir der Handschlag verwehrt wurde, weil ich angeblich „mit dem Feind“ zusammen arbeite. Ihre Hassaktionen haben für diejenigen, welche mit offenem Weltbild an den Gedenkmarsch erschienen sind, den ursprünglichen Gedanken der Aktion zerstört. Jedoch war klar, dass die Antifa von Anfang aus darauf aus war, eine Fehde zu suchen - auch wenn die Gründe dafür nicht ersichtlich waren. Jene, die sich offiziell Antifaschisten nennen, zeigten als einzige faschistoide Züge an diesem Abend.

Am Ende vor dem Firmensitz des zweitgrössten Schweizer Steuerzahlers Glencore kam es nochmals zu einer Debatte unter den Protagonisten der ersten Stunde. Man einigte sich auf einen Rückmarsch zum UBS-Hauptgebäude. Ich wollte noch für einen ausführlichen Bericht die Meinung eines Glencore-Mitarbeiters hören. Obwohl, oder gerade weil er nicht namentlich zitiert werden wollte, haben wir ein längeres, sehr interessantes Gespräch geführt. Ich verlor anschliessend den Anschluss an die Protestgruppe, welche sich anscheinend ohnehin in alle Richtungen verstreut hatte.

 (esa); teilredigiert wegen zu weitreichenden Passagen, von (ali)

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