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Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Libanon: Krieg liegt in der Luft

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Bild: the-wrong-enemy.blogspot.comEs gibt Anzeichen dafür, dass sich Israel womöglich für einen erneuten Krieg richtet. Diesesmal ist das Ziel nicht die Hamas im Gaza-Streifen, wie noch im November letzten Jahres, sondern die Hezballah im Libanon. Nach 6,5 Jahren Wunden lecken und zwei Testphasen gegen die Hamas, scheint der knapp wiedergewählte Premierminister Binyamin Netanyahu seine Drohung kurz nach der brutalen Bombardierung des Gaza-Streifens im November 2012 in die Tat umsetzen zu wollen.
 


Am 22. Dezember 2012 erklärte der israelische Premier, dass "wir noch nicht mit euch fertig sind und dass die Hamas keinen Sieg feiern soll". Obwohl er damit direkt die Hamas ansprach, galt diese Drohung natürlich auch der Hezballah, wie auch dem Iran. Wieso sollte aber Israel nun ohne sichtbaren Grund seinen nördlichen Nachbarn angreifen? Die Grenze zum Libanon ist seit dem verheerenden Krieg zwischen Israel und der Hezballah im Sommer 2006 ruhig geblieben. Es gab keine weiteren Übergriffe auf den israelischen Staat mehr. Nicht einmal die weltweit verurteilte (jedoch nicht vor dem UN-Sicherheitsrat) IDF-Operation "Cast Lead" im Dezember/Januar 2008/09 auf den Gaza-Streifen vermochte einen Übergriff aus dem Norden zu provozieren.

Nun scheint Israel endlich einen Vorwand für eine neue Offensive gefunden zu haben. Im Juli 2012 starben in dem bulgarischen Urlaubsort Burgas sechs israelische Touristen bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus. Noch am selben Tag, nur eine Stunde nach dem Anschlag, verkündete Netanyahu, dass "alle Zeichen in den Iran führen" und dass Israel mit Gewalt gegen den "iranischen Terror" zurückschlagen würde. Nachdem sich die Augenzeugenberichte und die offiziellen Darstellungen nicht ergänzten, sah sich der bulgarische Ministerpräsident Borissow gezwungen, den von Israel in die Welt gesetzten medialen Angriff auf den Iran bzw. Hezballah nach einer Woche zu stoppen, indem er sagte, dass es "momentan keine Beweise gebe, dass die libanesische Hisbollah oder der Iran hinter dem Anschlag auf dem Flughafen Burgas stehen". Der bulgarische Ministerpräsident wusste, dass Israel nur auf einen Moment wie diesen wartete, um endlich einen Krieg gegen den Iran vom Zaun brechen zu können und die hadernden USA mit in diesen verhängnisvollen Sog einbeziehen würden. So blieb es dann auch bei diesem Stand der Dinge bis letzten Dienstag.

Am 5. Februar 2013 verkündete der bulgarische Innenminister Tsvetan Tsvetanov an einer Pressekonferenz, dass die Ermittlungen ergeben hätten, dass drei Männer in diesen Anschlag involviert waren und es "gut begründete Annahmen" gebe, dass zwei davon zum "militanten Flügel der Hezbollah" gehören würden. Damit wäre der Weg für die Europäische Union frei, die Hezballah endlich (wie aus der Sicht Israels, der USA und Kanada) als Terrororganisation einzustufen.

Bild: ZVGDiese Aussage liess keinen Raum für Zweifel übrig, sondern implizierte einen klaren Beweis, dass die Verantwortung des Anschlages bei der Hezballah liegen soll. Sofort wurde die Aussage des Innenministers von den westlichen Medien vorbehaltlos als Tatsache übernommen, obwohl keine konkreten Beweise vorgelegt wurden. In Bulgarien selbst wurde diese offene Anschuldigung des Innenministers massiv kritisiert und die Oppositionsparteien warfen der Regierung vor, dem Druck der USA und Israels nachgegeben zu haben und sich erneut in eine gefährliche Abhängigkeit einer Supermacht begeben zu haben. Diese Sicht scheint auch Präsident Rosen Plevneliev zu haben, der sich erzürnt ob dieses Alleingangs des Innenministers zeigte. Selbst der bulgarische Chefankläger Sotir Tsatsarov, der diesen Fall untersucht, sagte am nächsten Tag, dass es "nicht genügend Beweise gibt, um eine Anklage (gegen Mitglieder der Hezballah) zu erheben".

Für Israel scheint diese eine Pressekonferenz in Sofia offenbar als Beweis zu genügen (obwohl die Anzeichen einer sogenannten "False Flag Operation" nicht zu übersehen sind), um sich für einen erneuten Krieg im Nahen Osten vorzubereiten. So wurde der im Norden Israels liegende Flughafen Haifa für den zivilen Flugverkehr aus "Sicherheitsgründen" bis auf Weiteres gesperrt und die IDF (Israel Defence Forces) verlegte eine dritte Raketenabwehr-Batterie in den Norden des Landes. Gemäss eigenen Angaben des Pro-Israel Think Tanks "Foundation for Defense of Democracies" warnte sie ein israelischer Offizieller: "Die Welt sollte sich für den nächsten Krieg im Libanon vorbereiten", und dass es dieses Mal noch mehr zivile Opfer geben könnte, da nun "ganz Libanon zum Süd-Libanon geworden ist".

Um es also nochmal in einfacheren Worten zu formulieren: Israelische Offizielle auf einer Tour durch Washington D.C. warnen die Welt vor einem neuen Krieg gegen den Libanon, der noch mehr zivile Opfer bringen wird, da die Bombenkampagne nicht auf den Südlibanon beschränkt bleibt, sondern auf das ganze Land ausgedehnt wird!

Dass diese Gefahr real ist, zeigte auch der libanesische Politiker Jean Ogassapian, als er am Samstag sagte, dass die UN-Friedenstruppe UNIFIL von Israel vorgewarnt wurde, entsprechende Sicherheitsmassnahmen zum eigenen Schutz vorzunehmen, da die "Gefahr für einen israelischen Schlag gegen den Libanon besteht".

Die Luftangriffe Israels auf Syrien von vorletzter Woche waren ein klares Signal, dass Israel für einen erneuten Krieg bereit ist, unabhängig der Konsequenzen für sich selbst und was noch viel wichtiger ist, für die Hunderte oder Tausende von Opfern unschuldiger Menschen, welche es bei so einem Angriff zweifelsohne geben wird. Was fehlte, war ein Grund, und diesen Grund könnte nun letzte Woche der bulgarische Innenminister geliefert haben.

Die Vorbereitungen für einen Krieg fingen auf beiden Seiten unmittelbar nach dem Waffenstillstand vom Sommer 2006 wieder an. Noch bevor die Unterschrift auf dem Abkommen trocken war, liess die IAF (Israel Air Force) Flugblätter über den Südlibanon herab, in denen die Bewohner dieser Region gefragt wurden: Werden Sie diesen Preis noch einmal zahlen können?

Israel besprach dieses Thema bereits 2009 mit amerikanischen Vertretern des Pentagons und Geheimdienstes und rechnete mit einem mindestens zweimonatigen Einsatz mit Bodentruppen, Spezialeinheiten und dem gesamten Arsenal der Luftwaffe.

"Warum aber jetzt und ohne jeglichen Grund?", möchte man sich fragen, wenn die Vorbereitungen dafür doch seit Jahren laufen. Die Gesamtsituation in der Nachbarschaft Israels ist es, die solch einen Einsatz günstig erscheinen lässt (natürlich aus Sicht der Regierung Netanyahu): In Syrien tobt ein Krieg gegen die Regierung Assad, was bedeutet, seine Ressourcen werden dringend an einer anderen Stelle gebraucht und wenn nötig, eröffnet Israel noch eine weitere Front auf syrischer Seite um eine Sicherheitszone zu schaffen, wie damals bei der Invasion Libanons 1982 mit der Besatzung des Südens bis 2000.

Jordanien ist mit sich selbst beschäftigt und König Abdullah II. fürchtet zu sehr um seinen Thron, als dass er irgendwelche Probleme bereiten würde. Und in Ägypten tobt ebenfalls ein erbitterter Machtkampf gegen Präsident Mursi, wo man nicht genau weiss, wie stark er das Militär unter Kontrolle hat.

Zusammen genommen bedeutet dies, dass unter potentiellen Problemen (Probleme, keine existentielle Gefahr für den Staat) nur noch die Hezballah und die Hamas übrig blieben. Mit dem Krieg und der Niederlage Israels im Sommer 2006 (Niederlage deshalb, da das militärische Ziel der Zerschlagung der Hezballah nicht gelungen ist), und mit den Kriegen gegen die Hamas von 2008/09 und 2012, wo ebenfalls das Ziel nicht erreicht werden konnte, verlor Israel das für sich selbst so wichtig empfundene "Abschreckungspotential". Mit überproportionaler Gewaltanwendung versucht die IDF dieses Potential immer wieder herzustellen, und das scheint auch jetzt leider wieder im Libanon der Fall zu werden.

 


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