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Jolla, das mobile Betriebssystem um der NSA zu entgehen?

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Seitdem bekannt ist, dass die NSA mehr oder weniger den kompletten Datenverkehr jedes einzelnen Bürgers überwachen kann, wurden auf den verschiedensten Ebenen Massnahmen und Möglichkeiten entwickelt, wie der einfache Bürger der ständigen Überwachung wenigstens partiell entgehen kann. Diese Massnahmen betreffen jedoch vorwiegend die Kommunikation von Desktoprechnern. Bei den mobilen Geräten ist es ungleich schwerer, einer Datenerfassung zu entkommen.

Nur schon der Umstand dass mit Android, Apple und Microsoft sämtliche Anbieter von Mobiltelefonbetriebssystemen ihren Hauptsitz in der USA haben führt dazu, dass die amerikanischen Behörden im Notfall mit dem Patriotic Act jederzeit Einsicht auf entsprechende Datensätze nehmen können. Seit Mai 2013 verkauft eine kleine finnische Firma Mobiltelefone mit einem komplett eigenen Betriebssystem.

Finnland und Mobiltelefone, da gabs doch bereits etwas?

Als Nokia Ende 2011 sich dafür entschied, Meego - ihr hauseigenes Betriebssystem - nicht mehr weiterzuentwickeln und stattdessen die Kooperation mit Microsoft weiter zu vertiefen, sind viele davon ausgegangen dass dieses durchaus innovative Betriebssystem zu Grabe getragen werden wird. Um dies und ihre damit verbundene drohende Entlassung zu verhindern, haben sich mehrere ehemalige Meego Entwickler gewehrt. Sie verliessen Nokia und gründeten das Unternehmen Jolla Ltd mit der Absicht, das Projekt unter dem Namen Sailfish OS weiter zu betreiben.

Mittels Crowdfunding und Unterstützung aus der OpenSource Community konnte die mittlerweile bereits auf rund hundert Mitarbeiter angewachsene Unternehmung im November 2013 das erste komplette Jolla-Mobiltelefon auf den Markt bringen. Während einer Startphase war das Mobiltelefon nur in den skandinavischen Ländern verfügbar. In der Zwischenzeit kann das Mobiltelefon jedoch weltweit über einen Onlineshop bezogen werden. Inzwischen hat es Jolla in Finnland über eine Partnerschaft mit dem Mobiltelefonprovider DNA geschafft, im Markt aktiv Fuss zu fassen. Über Verkaufszahlen schweigt sich das Unternehmen bis zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Tatsache, dass es das Jolla-Phone mittlerweile in Finnland aus dem Stand auf Platz 5 der meist verkauften Mobiltelefone geschafft hat, lässt jedoch auf eine erstaunlich hohe Akzeptanz schliessen, wenn man berücksichtigt dass es sich um eine komplette Neuentwicklung handelt.

Wozu ein neues Betriebssystem?

Diese Frage ist aus objektiver Sicht durchaus berechtigt. Für jedes neue Betriebssystem braucht es eigene Apps, die für jede Plattform unterschiedlich entwickelt werden müssen. Abgesehen von der Hardware und vom Betriebssystem ist die Verfügbarkeit von eigenen Apps sehr zentral für die Verbreitung eines neuen Betriebssystems. Hier wählt Jolla einen ungewohnten Weg. Nebst dem Jolla-eigenen Store, welcher inzwischen über 200 Apps für das Betriebssystem führt, existiert ein so genannter Android Kompatibilitätslayer. Dieser Layer macht es möglich, dass auf dem Jolla auch Android Apps installiert werden können. Er öffnet dem Benutzer den Zugriff auf über 800‘000 Apps. In einem Test hat sich herausgestellt, dass Android Apps auf dem Jolla Betriebssystem nur um wenige Prozentpunkte langsamer verhalten, als die nativ installierten Apps. Ein kurzer Test beweist, dass die meisten Apps, die keinen Hardwarezugriff auf die Kamera oder sonstige Komponenten benötigen, auf dem Jolla reibungslos laufen. Auch sicherheitsspezifische Applikationen wie beispielsweise Threema laufen auf dem Jolla flüssig und einwandfrei.

Darüber hinaus das grösste Alleinstellungsmerkmal von Jolla ist die so genannte „The other half“. Was man früher vor allem von älteren Nokia Handys kannte, kommt hier auf dem modernen Smartphone wieder zurück: Jolla ermöglicht dem Enduser, die Rückseitenabdeckung auszutauschen. Nebst farblich unterschiedlichen Abdeckungen, sollen hier in Zukunft auch Covers mit Funktionserweiterungen ihren Platz finden. Eine Datenschnittstelle inklusive Stromversorgung ist bereits im Telefon integriert. Somit wäre es durchaus vorstellbar, dass es in Zukunft ein Jolla mit besserer Kamera, ein Jolla mit kompletter Hardwaretastatur oder viele weitere Erweiterungen geben könnte. Die finnische Community ist hier mit sehr kreativen Ideen am Start.

Auch beim Bedienkonzept geht Jolla eigene Wege. So sind die meisten Bedienkonzepte der marktüblichen Hersteller darauf ausgelegt, dass das Mobiltelefon mit zwei Händen bedient werden muss. Auch basieren die meisten Bedienkonzepte häufig immer noch auf so genannten Klick-Konzepten, wie man sie vom PC her kennt. Jolla versucht hier mit einem komplett neuen Gestensteuerungskonzept den Markt neu aufzurollen. Dieses Konzept ermöglicht eine präzise Bedienung des Geräts mit nur einer Hand, und ist besser darauf ausgelegt auch ein ungenaues Tippen trotzdem passgenau zu erkennen.

Jolla plant darüber hinaus nicht nur eigene Geräte mit dem Betriebssystem zu verkaufen. Um die Verbreitung des Betriebssystems zu steigern, soll es in Zukunft auch auf gängigen Android Geräten aufspielbar sein. So ist es bereits heute möglich sein Samsung Galaxy S3 oder Google Nexus 4 mit Jolla zu betreiben.

Ist Jolla die ultimative Lösung um die Daten vor dem Geheimdienst zu schützen?
Wenn diese Frage so gestellt wird, dann muss sie ganz klar mit Nein beantwortet werden. Beim Jolla handelt es sich in erster Linie um ein handelsübliches Betriebssystem wie bei anderen auch. Der entscheidende Vorteil von Jolla ist jedoch, dass es nicht von einem der grossen drei Hauptanbieter stammt, und trotzdem alle Funktionalitäten eines modernen Betriebssystems an Bord hat. Im Gegensatz zu Google oder Apple werden hier die Kontaktdaten nicht direkt mit dem Server des jeweiligen Betreibers synchronisiert. Jolla basiert auf dem Linux Kernel, und verfügt über eine direkte Root Shell. Das bedeutet, dass grundsätzlich im Gegensatz zu Android sämtliche Daten auf dem Telefon eingesehen werden können, was es wiederum schwierig machen würde, eine so genannte Backdoor zu verstecken.

Gibt es weitere Alternativen?
Am Mobile World Congress Ende Februar in Barcelona haben noch einige andere alternative Hersteller ihre Betriebssysteme vorgestellt. So hat Firefox bereits einiger Zeit angekündigt mit Firefox OS den Markt zu begehen, und konnte nun erste lauffähige Geräte präsentieren. Im Gegensatz zu Jolla zielt dieses Betriebssystem jedoch eher auf den unteren und mittleren Preisbereich ab und setzt den Fokus klar auf den asiatischen Markt.

Mit einer aufsehenserregenden Crowdfunding Aktion hat Ende 2013 Cannonical versucht, 32 Millionen USD zusammenzubekommen, um ihr Betriebssystem Ubuntu Touch auf eigene Hardware zu portieren. Die Crowdfunding Aktion hat zwar nur 18 Millionen zusammengebracht, und ist somit gescheitert. Dies hält den Hersteller jedoch nicht davon ab, das Projekt trotzdem weiter zu verfolgen.  Eine erste lauffähige Version auf einem Meizu MX3 existiert bereits.

Ein weiterer Anbieter, der seine Entwicklung erstmals am Mobile World Congress präsentierte, ist das Unternehmen Blackphone. Der Fokus des Herstellers ist primär darauf ausgelegt, ein so genannt sicheres Smartphone zu entwickeln. Bei diesem Produkt handelt es sich jedoch nicht um ein komplett eigenes Betriebssystem, sondern um einen Aufbau auf Android. Dieser Aufbau enthält nebst Software zum verschlüsselten Telefonieren auch bereits vorinstallierte VPN Konnektoren, welche ein verschlüsseltes Surfen ermöglichen. Dieses Projekt steckt jedoch noch komplett in der Beta Phase. Die ersten Telefone sollen mitte Juni 2014 ausgeliefert werden und rund 600 CHF kosten.


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