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Letztes Update 22.03.2016 22:37

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Gute Jihadisten, Böse Jihadisten

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Angesichts der aktuellen Bombenkampagne Frankreichs im westafrikanischen Staat Mali, welche nicht nur die Franzosen selbst überrascht hat, muss ich dieses Thema aufgreifen, da die Doppelmoral zwischen diesem erneuten Krieg in einem vorwiegend muslimischen Land und dem Krieg in Syrien nicht von der Hand zu weisen ist.

Rein rechtlich betrachtet, steht Paris mit diesem Waffengang auf solidem Fundament. Es gibt ein UN-Mandat auf Antrag der malischen Regierung, sowie ein Verteidigungspakt zwischen Frankreich und Mali. Hätte es Präsident Hollande doch nur dabei belassen. Doch statt dessen erklärte er, dass das Motiv nicht etwa „grundlegende französische Interessen“ wären, sondern dass es ihm um die Rechte der Bevölkerung in Mali gehe, „die in Freiheit und Demokratie leben will“ und diese von Islamisten bedroht werden.

Mit diesem Statement folgt Hollande jedoch lediglich dem amerikanischen Ansatz der „humanitären Intervention“, die selbstverständlich nichts mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben. Es war dieser Ansatz, der den Irak vollkommen aus den Fugen gerissen hatte und es war dieser Ansatz, der auch Libyen destabilisierte. Für die Muslime bedeuten diese „humanitären Interventionen“ aber nichts weiter, als eine gegen sie verwendete Taktik des Westens, die sich unter dieser Bezeichnung einfach nur besser anhört. Denn ausser Leid haben diese Interventionen der Bevölkerung der angegriffenen Länder nichts weiter gebracht. Für Jihadisten (muslimische Verfechter eines „heiligen Krieges“) stellt diese Tatsache eine Art nicht versiegende Quelle an Rekruten dar, da sie dem Aufruf der Kleriker zur Bekämpfung der „Ungläubigen“ auf muslimischen Boden nur zu gern folgen.
 
Was der französische Präsident und seine NATO-Alliierten aber verschweigen, ist die Antwort auf die Frage, um WEN es sich bei diesen Islamisten handelt und WOHER sie überhaupt gekommen sind. Das Problem in Mali ist eine unmittelbare Konsequenz der „humanitären Intervention“ der NATO auf Libyen im Jahr 2011. Touareg-Kämpfer die in Ghaddafis Armee dienten, verliessen das Land nach dem brutalen Bombardement der NATO und kehrten zurück in ihre Stammesgebiete in der Sahelzone, darunter eben auch in den Norden Malis. Mit im Gepäck hatten sie nicht nur Kampferfahrung, sondern auch jede Menge Waffen und Munition aus libyschen Beständen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde die Befürchtung geäussert, dass die zurückkehrenden Touareg sich der Separationsbewegung NMLA (National Movement for the Liberation of Azawad) anschliessen würden und die schwache Oberhoheit des malischen Militärs stürzen könnten.
 
Und genau DAS ist nun passiert. Starke Unterstützung erhielten die Touareg von Captain Amadou Sanogo, der seinerseits von den USA ausgebildet und hofiert wurde, in der Hoffnung, Washingtons Marionette in Mali zu werden. Einige der Touaregs schlossen sich aber islamistischen Gruppierungen an, die nach dem Coup letztes Jahr – aus einer an sich gerechtfertigten, säkularen Forderung der Touareg nach mehr Selbstbestimmung – das Gebiet von Nord-Mali in einen islamistischen Staat nach dem Vorbild Saudi-Arabiens verwandelt haben (einem Bericht der britischen Zeitung "The Independent" zufolge waren die „ausländischen Analysten schockiert über die Geschwindigkeit der Islamisten“).
 
Diese Entwicklung in Nord-Mali wird nun hauptsächlich von Frankreich (gerade weil Frankreich handfeste wirtschaftliche Interessen in dieser Region zu verteidigen hat!) als Argumentation und Rechtfertigung angeführt, einen Krieg zu führen, der gemäss dem französischen Präsidenten „lange und gefährlich“ sein könnte. Es gilt die Entwicklung eines „terroristischen Staates an der Türschwelle zu Frankreich und Europa“ zu verhindern, teilte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian mit.
 
Wenn also Islamisten in Nord-Mali ihre wahhabitische Version des Islam verwirklichen, wird dies als „terroristischer Staat an der Türschwelle zu Frankreich und Europa“ bezeichnet und muss mit allen Mitteln gestoppt werden.
 
Wenn aber Islamisten und Jihadisten in Syrien (ebenfalls mit Unterstützung jener Kräfte, die von der NATO bereits in Libyen als Mittel zum Zweck verwendet wurden und nun in Syrien aktiv sind) Teile des Landes zerstören und ein Kalifat ausrufen und dabei offen jene Demokratie ablehnen, die sie unseren Medien zufolge ja in Syrien errichten sollten, dann stellt das kein Problem dar. Das wird dann nicht als „terroristischer Staat an der Türschwelle zu Europa“ bezeichnet.
 
Die USA scheinen diese Doppelmoral, zumindest offiziell, als zu eklatant erkannt haben und haben Ende Dezember 2012 den Al-Qaida-Ableger Jabhat al-Nusra als Terrororganisation eingestuft, was für grosse Aufregung innerhalb der sogenannten Free Syrian Army (FSA) sorgte. Sie sehen die Jabhat al-Nusra als die stärkste Kraft in ihrem Kampf gegen Präsident Assad und folgen oft erst nach erfolgten Schlachten in die Fußstapfen der Jihadisten. Die Antwort der „Nusra Front“ auf die Einstufung als Terrororganisation fällt äusserst nüchtern aus: „Wenn es den Interessen der USA entspricht, dann werden sie sagen, dass wir keine Terroristen sind, und wenn nicht, dann sagen sie, wir sind Terroristen“.

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