Man United hätte Tottenham schlagen müssen – dass es nicht geklappt hat, zeigt, wie tief Carrick & Co. im Schlamassel stecken

Manchester United hat am Samstag im eigenen Stadion Old Trafford nur 1:1 gegen die Tottenham Hotspur gespielt. Bryan Mbeumo hatte die Gastgeber in der 2. Halbzeit in Führung gebracht, doch Dominic Solanke traf in der 92. Minute zum Ausgleich, obwohl Tottenham seit der Rote Karte gegen Rodrigo Bentancur nur noch zu zehnt spielte. Bentancur war zuvor wegen eines Kopfstosses gegen Luke Shaw vom Platz gestellt worden.

Die Fans von United hatten sich vor dem Spiel auf Kosten von Manchester City amüsieren wollen, verliessen das Stadion aber enttäuscht. Die Skandal um den Nachbarklub, dessen Verfahren mit einem vernichtenden Schuldspruch der Premier League endete, geriet schnell in den Hintergrund. Die Anhänger beschäftigte vor allem, wie der Ausgleich der Gäste zustande kam.

Die Stimmung vor dem Anpfiff war gereizt. Schon vor dem Kickoff waren laute Sprechchöre gegen City zu hören, nach der Führung stimmten die Heimfans einen Gesang gegen Tottenham an. Dass Tottenham als Tabellenletzter in die Partie gegangen war, spielte dabei eine Rolle. Bereits nach 20 Minuten gab es erste Pfiffe, weil die Gäste früh gut ins Spiel fanden und United in weiten Teilen der ersten Halbzeit unterlegen war.

Carrick mit klarer Analyse

Trainer Michael Carrick sprach nach dem Spiel offen über die Leistung seiner Mannschaft. «Wir sind über das Resultat massiv enttäuscht», sagte er. «Ehrlich gesagt war es eine gemischte Leistung. Die erste Halbzeit war schwierig und herausfordernd.» Gleichzeitig lobte er die Entwicklung im Spielverlauf: «Nach der Pause wurde es deutlich besser, und wir hatten uns am Ende in einer sehr guten Position. Dass wir das nicht über die Zeit gebracht haben, müssen wir hinbekommen.»

Carrick machte vor allem die knappen Entscheidungen verantwortlich. Es sei bereits das zweite Mal in dieser Saison, dass United in der Nachspielzeit zwei späte Gegentore kassiert habe, die zwei Siege gekostet hätten. «Das verändert vieles, auch die Gefühle in der Mannschaft und die Punkte», sagte er. Man müsse besser darin werden, Spiele zu Ende zu bringen, sobald man sich in einer guten Position befinde. Dabei gehe es um Ballbesitz, Spielkontrolle und die Verteidigung entscheidender Momente. Carrick wies Spieler nicht öffentlich zurecht, machte aber deutlich, dass er mehr erwartet.

Die Gegentore und die Fehler

Solankes Kopfball war bereits das dritte Gegentor in der Nachspielzeit in dieser Saison. Zwei dieser Treffer, gegen Everton und gegen Tottenham, kosteten United jeweils vier Punkte. Besonders die Situation vor dem Ausgleich war unglücklich. Lisandro Martínez ging dem Ball bei der Flanke von Sandro Tonali nicht konsequent nach und liess Solanke gewähren. Auch Senne Lammens im Tor hätte nach Ansicht vieler Beobachter eine bessere Figur machen können.

Mit dem Ausgleich haben die Spurs in dieser Saison bereits zum zweiten Mal in Old Trafford getroffen, nachdem ein Gegner in Unterzahl gespielt hatte. United hat in den letzten drei Partien gegen Teams in Unterzahl keinen Sieg geholt. Im März verlor die Mannschaft 1:2 bei Newcastle United, nachdem Jacob Ramsey vom Platz gestellt worden war. Im November unter Trainer Ruben Amorim unterlag United Everton 0:1 im eigenen Stadion, obwohl Idrissa Gueye nach einer Ohrfeige gegen seinen eigenen Mitspieler vom Platz geflogen war.

Druck wächst

Mit dem Resultat hat United den schlechtesten Saisonstart seit 1986 hingelegt, gemessen an den ersten sechs Spielen. Die Mannschaft hat nach sechs Partien weniger als sechs Punkte. Das letzte Mal, als dies passierte, wurde Ron Atkinson als Trainer entlassen. Carrick ist davon noch weit entfernt, doch der Druck nimmt zu.

Der frisch verpflichtete Carlos Baleba, der für 70 Millionen Pfund von Brighton & Hove Albion gekommen war, wurde kurz vor der 60. Minute eingewechselt. Mit ihm kamen mehr Tempo und Energie ins Spiel. Sein Debüt war positiv, ging aber im Ergebnis unter. Die Partie hätte United gewinnen müssen.

Nun wartet ein straffes Programm. Am Dienstag reist United zu Atlético Madrid in die Champions League, am folgenden Wochenende geht es zu Leeds United. Danach steht ein weiteres schweres Europa-Spiel gegen Como an. Carrick betont, dass das grösste Problem derzeit die knappen Margen seien. Damit United wieder in die richtige Richtung kommt, muss sich das schnell ändern.

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